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06/ 2003

... eine Band wird "erwachsen"

Das Freilassinger Trio ist nun schon seit acht Jahren als Acoustic-Coverband (davon fünf als Profimusiker) unterwegs und konnte sich mit drei in Eigenregie eingespielten Alben und über 700 Auftritten einen gewissen Bekanntheitsgrad erspielen. Auf ihrem neuesten Streich "Liederatur" beschreitet die SECOND HAND BAND nun ganz neue Wege und veröffentlicht ihr erstes Album mit eigenen Texten. Da das Trio schon seit Jahren zu meinen Lieblingsinterpreten aus dem Underground-Bereich gehört und zudem noch aus meinem Geburtsort Freilassing stammt, war mir das Interview mit den Herren natürlich ein besonderes Vergnügen.

S: Könnt ihr uns bitte etwas über die Entstehungsgeschichte von der SECOND HAND BAND erzählen?

Wolfi: Ursprünglich spielten wir gemeinsam in einer Metal-Band. Da wir aber immer schon einen Hang zu Country-Music, Oldies und österreichischer Musik hatten, beschlossen wir diese Band als Nebenprojekt. Schnell wurden die Gigs mehr und mehr und wir merkten, dass es uns richtig Spaß macht. Das war vor 8 Jahren. Die Metal-Band gibt es heute gar nicht mehr.

S: Was war für euch der Auslöser Musiker zu werden?

Wolfi: Mein Nachbar war Schlagzeuger, er liess mich fast täglich auf seinem Kit spielen. Damals war ich 12.

Gesang, Rhythmusgitarre & SchlagzeugMarkus + Mike: Nach dem Abi und dem Zivildienst hätte eigentlich ein Studium folgen sollen. Genau zu dieser Zeit lief die Second Hand Band aber schon recht gut und da es immer schon ein Traum war Musiker zu werden, nahmen wir diese Chance war.

S: Ihr habt mit "Liederatur" euer mittlerweile viertes Album in Eigenregie eingespielt. Während die ersten drei CDs allesamt Akustik-Versionen von Hits aus den 60er bis 90er enthielten, stammt "Liederatur" nun komplett aus eurer Feder. Was hat euch dazu bewogen selbst zum Griffel zu greifen?

Wolfi: Die Idee gibt es schon seit mehr als 4 Jahren und basiert auf der eingangs erwähnten Liebe zur österreichischen Musik. Da wir seit gut 2 Jahren ein eigenes Studio haben liess sich das Ganze jetzt ohne Zeitdruck und finanziell realisieren.

S: Besteht dann euer Live-Programm jetzt auch nur noch aus eigenem Material?

Wolfi: Nein. In der Akustik-Version spielen wir weiter unser Programm mit Coversongs, bei "SHB" wird eine Live-Band mit Gastmusikern am Schlagzeug und Keyboards zusammengestellt, die dann ein Programm von 1,5 bis 2 Std. aus unseren eigenen Songs spielt. Mit der "Second Hand Band" spielen wir ja bis zu 5 Std.

S: Ihr seid ja ziemlich viel Live unterwegs. Fühlt ihr euch auch mehr als Live-Künstler, denn als Studio-Musiker?

Wolfi: Mehr als Live-Musiker, obwohl wir inzwischen auch das Tüfteln im Studio als Leidenschaft entdeckt haben. Wobei sich die Arbeit in einem eigenen Studio natürlich als wesentlich angenehmer herausgestellt hat als wenn du für 2-3 Wochen unter ziemlichem Zeitdruck in einem gebuchten Studio arbeiten musst.

S: Die ersten drei Alben waren für mein Empfinden eher in der Rock-Ecke zuhause. Wie kommt es nun, dass jetzt "Liederatur" mehr auf der Austro-Pop/ Songwriter-Schiene fährt?

Wolfi: Da spielt sicher der Einfluss unserer bevorzugten österreichischen Künstler eine große Rolle.
Wobei sich, so glaube ich, das Gefühl bzw. die Härte eines Songs nicht beim Schreiben sondern erst in seiner Entstehungsgeschichte richtig entwickelt.

S: Wenn ich mir eure ersten Alben so anhöre, vermitteln sie mir den Eindruck, dass ihr die Sache mehr als Fun-Projekt gesehen habt. Das neue Album hört sich irgendwie "erwachsener" an. Oder täuscht der Eindruck? Ich hoffe, ihr versteht mich jetzt nicht falsch! Ich finde auch eure ersten drei Scheiben klasse!

Gesang & Bass
Wolfi: Da spielt, wie in den meisten Fällen sicher die Reife eine große Rolle. Mit jeder CD entwickelten sich das Musikalische und die Routine weiter. Genauso wie die technischen Möglichkeiten im Aufnahmebereich. Unsere erste CD war produktionstechnisch noch sehr spartanisch.

S: Manchmal fühle ich mich bei einigen eurer Songs an STS oder Rainhard Fendrich erinnert. Wie steht ihr zu derartigen Vergleichen?

Wolfi: Da wären wir wieder beim Einfluss unserer bevorzugten österreichischen Künstler. Gerade die Beiden schätzen wir besonders. Somit können wir mit diesem Vergleich sehr gut leben.

S: Habt ihr musikalische Vorbilder. Wenn ja, welche?

Wolfi: Nicht direkt Vorbilder, eher favorisierte Musiker. Ich schätze z.B. Michael Kiske sehr.

S: Wie waren die bisherigen Reaktionen auf "Liederatur"?

Wolfi: Die Reaktionen auf die Texte waren bisher durchwegs positiv. Musikalisch auch, obwohl manche Leute anfangs wegen der Schwermütigkeit und der nachdenklichen Art mancher Songs ein bisschen irritiert sind. Und ein Album mit einer Ballade zu beginnen war auch ein nicht alltäglicher Versuch.

S: Welche Hoffnungen knüpft ihr an euer neues Album?

Wolfi: Das lassen wir mal auf uns zukommen. Wir wollen das Material live spielen und freuen uns wenn die Menschen unsere Songs gerne hören und dabei etwas spüren.

S: Gibt es einen bestimmten Song auf "Liederatur", der euch besonders am Herzen hängt?

Wolfi: Ich glaube, jeder Song beinhaltet seine eigene Geschichte zu der sich der Zuhörer wie auch wir seine eigenen Gedanken macht. Genauso unterschiedlich wird man wahrscheinlich die Songs auch fühlen.

S: Auf einigen eurer Alben habt ihr unter der Rubrik "Dankeschön" STYGMA IV aufgeführt. Wie kommt es zu dieser Danksagung an eine Metal-Band?

Wolfi: Stygma IV sind schon seit Jahren gute Kumpel von uns. Wir haben auch den selben Produzenten und sie nehmen inzwischen auch schon in unserem Studio auf. Auf ihrem neuen Album werden wir wahrscheinlich auch die Chöre singen.

Gesang, Solo- & Rhythmusgitarre
S: Welche Musik läuft bei euch zuhause?

Wolfi: Alles, wirklich alles - ausser Hip Hop! Von Metal über Austropop bishin zu Country und Oldies.

S: Wahrscheinlich könnt ihr von euer Musik noch nicht leben. Welche Berufe übt ihr aus, um euch finanziell über Wasser zu halten?

Wolfi: Doch! Wir sind seit ca. 5 Jahren professionell Musiker. Das beinhaltet natürlich auch, dass wir das Management selber machen, genauso wie Büroarbeiten und alle anderen Dinge, die in einer Firma so anfallen. Viele Leute denken immer, Musiker arbeiten immer nur die 3 oder 4 Stunden in denen sie auf der Bühne sind, haha.

S: Wie sehen eure musikalischen Zukunftspläne aus?

Wolfi: Wir schreiben schon wieder neue Songs, wann die nächste CD rauskommen wird ist noch nicht klar. Ansonsten wollen wir genauso weitermachen wie bisher. Es macht uns einfach Spaß und ist wahrscheinlich auch das, was wir am besten können.

S: Gibt es noch irgendetwas, das ihr unbedingt an die werte Leserschaft loswerden wollt?

Wolfi: Besucht uns doch einfach auf www.austropop.de oder www.second-hand-band.com.

Second Hand Band - Liederatur
  • Band: Second Hand Band
  • Albumtitel: Liederatur
  • Spielzeit: 39:19 min
  • Plattenfirma/ Vertrieb: Eigenproduktion/ Deutschland
  • Vergleichbare Bands: erinnert stellenweise an STS, Rainhard Fendrich
  • Veröffentlichung: 2003
  • Wertung: 8/ 10

Review:
Wenn es in den letzten Jahren eine Band außerhalb des Hard Rock/ Heavy Metal-Bereichs geschafft hat, mich mit ihrer Musik in ihren Bann zu ziehen, dann fällt mir auf Anhieb die SECOND HAND BAND ein. Wie schon der Bandname erahnen lässt und auch die ersten drei Produktionen bestätigen, hat das Acoustic-Trio ihr Brot bisher mit ihren Interpretationen bekannter Hits aus den letzten 40 Jahren verdient. Dies hat sich nun aber geändert, denn mit ihrem 4. Album beschreiten die Herren Markus Bonnie (Gesang/ Bass), Wolfgang Krug (Gesang, Rhythmusgitarre, Schlagzeug) und Michael Bonnie (Gesang, Solo & Rhythmusgitarre) ganz neue Wege. Im Gegensatz zu den ersten drei Veröffentlichungen stammt "Liederatur" - abgesehen von "Korruption" - komplett aus eigener Feder. Auf diesem Album bewegt sich die SHB gekonnt im Austro-Pop der Marke STS meets RAINHARD FENDRICH meets WOLFGANG AMBROS. Trotz dieser Vergleiche bewahren sich die Freilassinger aufgrund ihres österreichisch-bayrischen Dialekts und ihres tiefgreifenden und hintergründigen Songwritings ("Nie Wieder Frei"/ "Obdachlos") eine gewisse Eigenständigkeit. Natürlich kommt auch die satirische Seite mit Nummern wie dem beschwingten "Geburtstag" oder "Korruption" (im Original vom Wiener Liedermacher PETER MEYER), das mit einem unterhaltsamen Text und Reggae-Charme zu begeistern weiß, auf "Liederatur" nicht zu kurz. Des weiteren möchte ich euch folgendende Nummern als Anspieltipps empfehlen: "I Bin Bereit" (eine sehr pulsierende Nummer mit einer großen Aussage) und das abschließende "Frech Wie A Kind", welche sich als härtester Song des Albums entpuppt. Fazit: "Liederatur" eine sehr starke Eigenproduktion, die förmlich nach einer offiziellen Veröffentlichung schreit.
Neugierige und Fans dieser Musik sollten sich sofort auf www.austropopp.de begeben, denn dort gibt's die sehr ansehnlich verpackte CD mit vielen Infos zu kaufen.

Sonny

Songs:

Nie wieder frei: Eine Piano-Ballade mit wahrem Hintergrund. Der Text behandelt das ewige Problem der Vorverurteilung. Auch wenn noch nichts bewiesen ist wird der Ruf und das Ansehen leichtfertig ruiniert.

Geburtstag: Die bittere Erfahrung eines Kindes, wenn Erwachsene feiern und alles andere wichtiger ist als man selbst. Auch diese Geschichte haben wir selbst erlebt als die Tochter eines befreundeten Paares Geburtstag hatte.

Schlüssel zum Glück: Ein Akustikgitarren-lastiger Midtemposong. Das Thema behandelt den Drang nach Freiheit und dem Wunsch nach Eigenständigkeit.

Obdachlos: Der Titel sollte für sich sprechen. Hinter vielen Schicksalen steckt eine Geschichte. Eine Ballade, die von schweren Keyboards getragen wird.

Korruption: Die einzige Coverversion auf der CD. Im Original von dem Wiener Liedermacher Peter Meyer. Wir haben den Song komplett neu arrangiert, da er von Meyer nur mit einer Akustikgitarre gespielt wird. Der Text ist Satire pur.

Alte G´schichten: Ein sehr grooviger Song, der zum Schwelgen früherer Zeiten verleiten soll.

Der Nabel der Welt:
In diesem Blues-orientiertem Lied werden mit kritischem Unterton die Herren in den oberen Etagen gegrüßt. Wahrscheinlich ein Song, der manchen gehörig auf den Schlips tritt.

I bin bereit: Eine ruhige Nummer, die von akustischen Gitarren getragen wird. Ein Appell, sich öfter mal an die Werte des Miteinander- und nicht des Nebeneinandersein zu entsinnen. In allen Lebenslagen.

Frech wie a Kind: Vielleicht der härteste Song mit einigen Gitarren-Solis. Wer in der Liebe hinfällt setzt sich ganz neue Grundsätze und Vorhaben, bis...

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1. Nie wieder frei
2.
Geburtstag
3.
Schlüssel zum Glück
4.
Obdachlos
5.
Korruption
6.
Alte G'schichten
7.
Der Nabel der Welt
8.
I bin bereit
9.
Frech wie a Kind

um die Songs anzuchecken
einfach auf die jeweilige Nummer
klicken und ihr bekommt einen
mp3-Auszug von ca. 1:06 min
(800 KB) zu hören!

"Liederatur" (2003 / Eigenproduktion/ Deutschland)

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DISKOGRAFIE:

"dreierleierei" (1998)
"... der 2te Streich"
(1999)
"... und die Dritte(n)!"
(2001)
"Liederatur"
(2003)

weitere Informationen unter www.austropop.de
www.second-hand-band.com

weitere Beiträge über SECOND HAND BAND/ RELOADED:
Reviews:
RELOADED/ Taste It ... Or Waste It (Underground-Tipp/ March 2005)

Sonny

Thanks to Mike, Wolfgang & Markus @ SHB

Last Update: Sunday, 29. June 2003
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Sonny