Das Freilassinger Trio ist
nun schon seit acht Jahren als Acoustic-Coverband (davon
fünf als Profimusiker) unterwegs und konnte sich mit
drei in Eigenregie eingespielten Alben und über 700
Auftritten einen gewissen Bekanntheitsgrad erspielen. Auf
ihrem neuesten Streich "Liederatur" beschreitet
die SECOND HAND BAND nun ganz neue Wege und
veröffentlicht ihr erstes Album mit eigenen Texten. Da
das Trio schon seit Jahren zu meinen Lieblingsinterpreten
aus dem Underground-Bereich gehört und zudem noch aus
meinem Geburtsort Freilassing stammt, war mir das
Interview mit den Herren natürlich ein besonderes
Vergnügen.S: Könnt ihr uns bitte etwas über
die Entstehungsgeschichte von der SECOND HAND BAND
erzählen?
Wolfi: Ursprünglich spielten wir gemeinsam
in einer Metal-Band. Da wir aber immer schon einen Hang
zu Country-Music, Oldies und österreichischer Musik
hatten, beschlossen wir diese Band als Nebenprojekt.
Schnell wurden die Gigs mehr und mehr und wir merkten,
dass es uns richtig Spaß macht. Das war vor 8 Jahren.
Die Metal-Band gibt es heute gar nicht mehr.
S: Was war für euch der Auslöser Musiker zu werden?
Wolfi: Mein Nachbar war Schlagzeuger, er
liess mich fast täglich auf seinem Kit spielen. Damals
war ich 12.
Markus + Mike: Nach dem Abi und
dem Zivildienst hätte eigentlich ein Studium folgen
sollen. Genau zu dieser Zeit lief die Second Hand Band
aber schon recht gut und da es immer schon ein Traum war
Musiker zu werden, nahmen wir diese Chance war.
S: Ihr habt mit "Liederatur" euer mittlerweile
viertes Album in Eigenregie eingespielt. Während die
ersten drei CDs allesamt Akustik-Versionen von Hits aus
den 60er bis 90er enthielten, stammt
"Liederatur" nun komplett aus eurer Feder. Was
hat euch dazu bewogen selbst zum Griffel zu greifen?
Wolfi: Die Idee gibt es schon seit mehr als
4 Jahren und basiert auf der eingangs erwähnten Liebe
zur österreichischen Musik. Da wir seit gut 2 Jahren ein
eigenes Studio haben liess sich das Ganze jetzt ohne
Zeitdruck und finanziell realisieren.
S: Besteht dann euer Live-Programm jetzt auch nur noch
aus eigenem Material?
Wolfi: Nein. In der Akustik-Version spielen
wir weiter unser Programm mit Coversongs, bei
"SHB" wird eine Live-Band mit Gastmusikern am
Schlagzeug und Keyboards zusammengestellt, die dann ein
Programm von 1,5 bis 2 Std. aus unseren eigenen Songs
spielt. Mit der "Second Hand Band" spielen wir
ja bis zu 5 Std.
S: Ihr seid ja ziemlich viel Live unterwegs. Fühlt ihr
euch auch mehr als Live-Künstler, denn als
Studio-Musiker?
Wolfi: Mehr als Live-Musiker, obwohl wir
inzwischen auch das Tüfteln im Studio als Leidenschaft
entdeckt haben. Wobei sich die Arbeit in einem eigenen
Studio natürlich als wesentlich angenehmer
herausgestellt hat als wenn du für 2-3 Wochen unter
ziemlichem Zeitdruck in einem gebuchten Studio arbeiten
musst.
S: Die ersten drei Alben waren für mein Empfinden eher
in der Rock-Ecke zuhause. Wie kommt es nun, dass jetzt
"Liederatur" mehr auf der Austro-Pop/
Songwriter-Schiene fährt?
Wolfi: Da spielt sicher der Einfluss
unserer bevorzugten österreichischen Künstler eine
große Rolle.
Wobei sich, so glaube ich, das Gefühl bzw. die Härte
eines Songs nicht beim Schreiben sondern erst in seiner
Entstehungsgeschichte richtig entwickelt.
S: Wenn ich mir eure ersten Alben so anhöre, vermitteln
sie mir den Eindruck, dass ihr die Sache mehr als
Fun-Projekt gesehen habt. Das neue Album hört sich
irgendwie "erwachsener" an. Oder täuscht der
Eindruck? Ich hoffe, ihr versteht mich jetzt nicht
falsch! Ich finde auch eure ersten drei Scheiben klasse!
Wolfi: Da spielt, wie in den
meisten Fällen sicher die Reife eine große Rolle. Mit
jeder CD entwickelten sich das Musikalische und die
Routine weiter. Genauso wie die technischen
Möglichkeiten im Aufnahmebereich. Unsere erste CD war
produktionstechnisch noch sehr spartanisch.
S: Manchmal fühle ich mich bei einigen eurer Songs an
STS oder Rainhard Fendrich erinnert. Wie steht ihr zu
derartigen Vergleichen?
Wolfi: Da wären wir wieder beim Einfluss
unserer bevorzugten österreichischen Künstler. Gerade
die Beiden schätzen wir besonders. Somit können wir mit
diesem Vergleich sehr gut leben.
S: Habt ihr musikalische Vorbilder. Wenn ja, welche?
Wolfi: Nicht direkt Vorbilder, eher
favorisierte Musiker. Ich schätze z.B. Michael Kiske
sehr.
S: Wie waren die bisherigen Reaktionen auf
"Liederatur"?
Wolfi: Die Reaktionen auf die Texte waren
bisher durchwegs positiv. Musikalisch auch, obwohl manche
Leute anfangs wegen der Schwermütigkeit und der
nachdenklichen Art mancher Songs ein bisschen irritiert
sind. Und ein Album mit einer Ballade zu beginnen war
auch ein nicht alltäglicher Versuch.
S: Welche Hoffnungen knüpft ihr an euer neues Album?
Wolfi: Das lassen wir mal auf uns zukommen.
Wir wollen das Material live spielen und freuen uns wenn
die Menschen unsere Songs gerne hören und dabei etwas
spüren.
S: Gibt es einen bestimmten Song auf
"Liederatur", der euch besonders am Herzen
hängt?
Wolfi: Ich glaube, jeder Song beinhaltet
seine eigene Geschichte zu der sich der Zuhörer wie auch
wir seine eigenen Gedanken macht. Genauso unterschiedlich
wird man wahrscheinlich die Songs auch fühlen.
S: Auf einigen eurer Alben habt ihr unter der Rubrik
"Dankeschön" STYGMA IV aufgeführt. Wie kommt
es zu dieser Danksagung an eine Metal-Band?
Wolfi: Stygma IV sind schon seit Jahren
gute Kumpel von uns. Wir haben auch den selben
Produzenten und sie nehmen inzwischen auch schon in
unserem Studio auf. Auf ihrem neuen Album werden wir
wahrscheinlich auch die Chöre singen.
S: Welche Musik läuft bei
euch zuhause?
Wolfi: Alles, wirklich alles - ausser Hip
Hop! Von Metal über Austropop bishin zu Country und
Oldies.
S: Wahrscheinlich könnt ihr von euer Musik noch nicht
leben. Welche Berufe übt ihr aus, um euch finanziell
über Wasser zu halten?
Wolfi: Doch! Wir sind seit ca. 5 Jahren
professionell Musiker. Das beinhaltet natürlich auch,
dass wir das Management selber machen, genauso wie
Büroarbeiten und alle anderen Dinge, die in einer Firma
so anfallen. Viele Leute denken immer, Musiker arbeiten
immer nur die 3 oder 4 Stunden in denen sie auf der
Bühne sind, haha.
S: Wie sehen eure musikalischen Zukunftspläne aus?
Wolfi: Wir schreiben schon wieder neue
Songs, wann die nächste CD rauskommen wird ist noch
nicht klar. Ansonsten wollen wir genauso weitermachen wie
bisher. Es macht uns einfach Spaß und ist wahrscheinlich
auch das, was wir am besten können.
S: Gibt es noch irgendetwas, das ihr unbedingt an die
werte Leserschaft loswerden wollt?
Wolfi: Besucht uns doch einfach auf www.austropop.de oder www.second-hand-band.com.
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- Band:
Second Hand Band
- Albumtitel:
Liederatur
- Spielzeit:
39:19 min
- Plattenfirma/
Vertrieb: Eigenproduktion/
Deutschland
- Vergleichbare
Bands: erinnert stellenweise an
STS, Rainhard Fendrich
- Veröffentlichung:
2003
- Wertung:
8/ 10
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Review:
Wenn es in den letzten Jahren eine Band außerhalb des
Hard Rock/ Heavy Metal-Bereichs geschafft hat, mich mit
ihrer Musik in ihren Bann zu ziehen, dann fällt mir auf
Anhieb die SECOND HAND BAND ein. Wie schon der Bandname
erahnen lässt und auch die ersten drei Produktionen
bestätigen, hat das Acoustic-Trio ihr Brot bisher mit
ihren Interpretationen bekannter Hits aus den letzten 40
Jahren verdient. Dies hat sich nun aber geändert, denn
mit ihrem 4. Album beschreiten die Herren Markus Bonnie
(Gesang/ Bass), Wolfgang Krug (Gesang, Rhythmusgitarre,
Schlagzeug) und Michael Bonnie (Gesang, Solo &
Rhythmusgitarre) ganz neue Wege. Im Gegensatz zu den
ersten drei Veröffentlichungen stammt
"Liederatur" - abgesehen von
"Korruption" - komplett aus eigener Feder. Auf
diesem Album bewegt sich die SHB gekonnt im Austro-Pop
der Marke STS meets RAINHARD FENDRICH meets WOLFGANG
AMBROS. Trotz dieser Vergleiche bewahren sich die
Freilassinger aufgrund ihres österreichisch-bayrischen
Dialekts und ihres tiefgreifenden und hintergründigen
Songwritings ("Nie Wieder Frei"/
"Obdachlos") eine gewisse Eigenständigkeit.
Natürlich kommt auch die satirische Seite mit Nummern
wie dem beschwingten "Geburtstag" oder
"Korruption" (im Original vom Wiener
Liedermacher PETER MEYER), das mit einem unterhaltsamen
Text und Reggae-Charme zu begeistern weiß, auf
"Liederatur" nicht zu kurz. Des weiteren
möchte ich euch folgendende Nummern als Anspieltipps
empfehlen: "I Bin Bereit" (eine sehr
pulsierende Nummer mit einer großen Aussage) und das
abschließende "Frech Wie A Kind", welche sich
als härtester Song des Albums entpuppt. Fazit:
"Liederatur" eine sehr starke Eigenproduktion,
die förmlich nach einer offiziellen Veröffentlichung
schreit.
Neugierige und Fans dieser Musik sollten sich sofort auf
www.austropopp.de begeben, denn dort gibt's die sehr
ansehnlich verpackte CD mit vielen Infos zu kaufen.
Sonny
Songs:
Nie wieder frei: Eine Piano-Ballade
mit wahrem Hintergrund. Der Text behandelt das ewige
Problem der Vorverurteilung. Auch wenn noch nichts
bewiesen ist wird der Ruf und das Ansehen leichtfertig
ruiniert.
Geburtstag: Die bittere
Erfahrung eines Kindes, wenn Erwachsene feiern und alles
andere wichtiger ist als man selbst. Auch diese
Geschichte haben wir selbst erlebt als die Tochter eines
befreundeten Paares Geburtstag hatte.
Schlüssel zum Glück: Ein
Akustikgitarren-lastiger Midtemposong. Das Thema
behandelt den Drang nach Freiheit und dem Wunsch nach
Eigenständigkeit.
Obdachlos: Der Titel sollte
für sich sprechen. Hinter vielen Schicksalen steckt eine
Geschichte. Eine Ballade, die von schweren Keyboards
getragen wird.
Korruption: Die einzige
Coverversion auf der CD. Im Original von dem Wiener
Liedermacher Peter Meyer. Wir haben den Song komplett neu
arrangiert, da er von Meyer nur mit einer Akustikgitarre
gespielt wird. Der Text ist Satire pur.
Alte G´schichten: Ein sehr grooviger
Song, der zum Schwelgen früherer Zeiten verleiten soll.
Der Nabel der Welt: In diesem
Blues-orientiertem Lied werden mit kritischem Unterton
die Herren in den oberen Etagen gegrüßt. Wahrscheinlich
ein Song, der manchen gehörig auf den Schlips tritt.
I bin bereit: Eine ruhige
Nummer, die von akustischen Gitarren getragen wird. Ein
Appell, sich öfter mal an die Werte des Miteinander- und
nicht des Nebeneinandersein zu entsinnen. In allen
Lebenslagen.
Frech wie a Kind: Vielleicht der
härteste Song mit einigen Gitarren-Solis. Wer in der
Liebe hinfällt setzt sich ganz neue Grundsätze und
Vorhaben, bis...
weitere Informationen unter www.austropop.de
www.second-hand-band.com
weitere Beiträge über SECOND HAND
BAND/ RELOADED:
Reviews:
RELOADED/ Taste It ... Or Waste It
(Underground-Tipp/ March 2005)
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