ANNETT
LOUISAN
“Das
Optimale Leben”
|
Label: 105 music |
VÖ:
31. August 2007 |
Musikstil:
Deutscher Pop
Tracklisting: 1.
Das
alles wär nie passiert - 2.
Kleine
Zwischenfälle
- 3. Was haben wir gesucht
- 4. Er
- 5. Die Wahrheit
- 6. Wenn man sich nicht
mehr liebt - 7.
Ich ...be dich - 8. Die sein
- 9. Mein innerer
Schweinehund - 10.
Gendefekt - 11.
Unbekümmert - 12.
Rosenkrieg - 13.
Dings - 14.
Ende Dezember - 15.
Der kleine Unterschied
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Info:
Sie
ist – bei aller Bescheidenheit – nicht weniger als eine kleine Revolution in
der zeitgenössischen Musik.
Annett Louisan erfindet den Chanson neu; sie nährt die Hoffnung, dass sich das
anspruchsvolle Lied gegen die gegenwärtigen Verwahrlosungen des Pop-Mainstreams
behaupten kann; und sie straft ganz beiläufig all die der Lüge, die es unmöglich
nennen, jene zu erreichen, die älter sind als 25 und musikalisch intelligent
unterhalten werden wollen. Annett Louisan, diese junge Frau von zierlicher
Statur und großem Format, sie ist die neue Grande Dame des deutschen Chansons.
Was hat man ihr nicht alles für Attribute gegeben in den vergangenen Jahren
ihrer Existenz im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit: Pop-Lolita, sexy,
verrucht, clever, eine femme fatale, ein Vamp, geübt im „Spiel“ mit der
Liebe und den Männern und den Worten – alles stimmt davon und nichts.
Ihr Debüt war eine Demonstration ihres Vermögens, die Andeutung des
Potenzials: Voilà, hier bin ich, sinnlich, emotional, klug, frei, modern und
doch klassisch „Bohème“ – aber vor allem ehrlich: Sie selbst hat den
Erfolg nicht geahnt.
Ihr zweites Album, das schwierige zweite, erzeugte einen überwältigenden
Aufruhr der Begeisterung für die junge Chanteuse, es erweiterte ihr
musikalisches Spektrum, und es etablierte die Künstlerin. Man sprach nun
zaghaft vom „neuen deutschen Chanson“, und leichtfüßig sprang sie über
die Schatten, die die Klischeegebäude voreiliger Kritiker warfen.
„Unausgesprochen“ blieb hier nur, was erst eine lange Zeit des Nachdenkens,
vielleicht auch ein bisschen das Älterwerden hervorbringt – was Klugheit zu
Weisheit werden lässt und ein echtes, weil authentisches Vergnügen verspricht:
nämlich die Mutmaßungen über „Das optimale Leben“. Und so nennt sie ihr jüngstes,
ihr drittes Album.
Annett Louisan ist gut vorbereitet, konzentriert und geistesgegenwärtig, und
gemeinsam mit ihrem kongenialen Texter Frank Ramond und den Komponisten Matthias
Hass und Hardy Kayser hat sie sich alle Zeit genommen, die es braucht für ein
großes Thema. Ihre neuen Chansons sind nun mehr als subtile Beobachtungen des
Alltags. Es sind kleine Essays über die großen Fragen des Erwachsenseins –
die, wenn wir ehrlich sind, zumeist Fragen der Liebe sind –, und wenn sie von
den „choses de la vie“ singt, ist sie expressiv, ohne pathetisch zu sein.
Man spürt in jeder Zeile: Hier erzählt eine von Dingen, von denen sie etwas
versteht, durch und durch zeitgenössisch, ohne Pose. Es sind kluge Annäherungen
an das ganze Leben, evokativ und schillernd selbst in der Melancholie. Sie
verzichtet dabei gänzlich auf die große Gesellschaftskritik, kein Zeigefinger
will sich da erheben. Lieber berichtet sie von ihren windungsreichen Wegen zum
optimalen Leben – so wie jeder es leben will und wie es doch immer wieder
anders kommt: komisch, traurig, sarkastisch, warm, leger, verkrampft –
irgendwie alles andere als optimal, aber man darf nicht aufhören, davon zu träumen.
Unglücklicherweise stehen auf diesen Wegen allzu oft hohe Hürden. Wie man sie
mit beinahe unheimlicher Gelassenheit nimmt, demonstriert Annett Louisan mit
„Er“, einem Drama von altgriechischem Ausmaß, das geeignet ist, Männer in
die fröhliche Einsamkeit zu treiben – so schwarz ist der Humor, dass die Füße
trotz des Cha-Cha unweigerlich aus dem Takt geraten. Ebenso, „Wenn man sich
nicht mehr liebt“, eine bittersüße, bis aufs Mark reduzierte Feststellung über
stumpf gewordenes Gefühl, heruntergekommen zum bloßen Mitgefühl. Auch
unerwartete „Kleine Zwischenfälle“ liegen auf diesen Wegen, solche, die die
großen Weichen des Lebens stellen und das Geheimnis des Daseins für immer
verborgen halten. Aber bei Annett Louisan ist keine Spur von Pessimismus,
vielmehr ist es die feine Subversion, Gedanken, scharf wie ein Florett, aber
eben kein grober Säbel.
Die Freuden des vorübergehenden Kontrollverlusts sind manchmal dem „Prosecco“
(„Das alles wär nie passiert“) zu verdanken – in diesem schwungvollen,
komischen Single-Epos finden wir uns wieder, sofern wir das Leben lieben oder
wenigstens einmal geliebt haben, am Ende will man unwillkürlich singen „Wär
doch schade, wenn das alles nicht passiert wäre“. Verzichtbar, aber kaum
vermeidbar dagegen ist die Einsicht „Was nicht passiern darf, darf nicht mehr
passiern“, die traurige Essenz von „Was haben wir gesucht“, eine kostbar
zarte Miniatur über den hohen Preis, der für Seitensprünge zu zahlen ist. Wie
sie die Abgründe sondiert, mit präzisen Sätzen das Unsagbare sagt – hier
ist Annett Louisan auf der Höhe ihres Könnens. Eine andere Begabung ist ihre nüchterne
Analyse, zum Beispiel in „Gendefekt“: Sie seziert mit hintersinnigem
Wortspiel das Resignieren vor der Gleichgültigkeit in der Liebe, und die kühle
Stringenz des Gedankens lässt sie reizvoll zu ihrem lässigen Tonfall
kontrastieren. Ihre Ironie ist dann vor allem eine Selbstironie, intim,
unberechenbar und witzig. Ganz so wie im skeptisch-ernüchterten
„Rosenkrieg“, mit dem sie einen unerbittlichen Blick auf den Sündenfall der
Männer wirft – die missbräuchliche Verwendung von Rosen nach
Betrugsvergehen. Da zeigt sich Annett Louisans Klassik: eine Haltung im
Kontrapost, ein skeptischer Blick, und dann unvermittelt ein gezielter Schuss.
Darüber kann es für manche „Ende Dezember“ werden – der Titel einer
Ballade über den Verlust eines Lebens, verstörend traurig, aber mit dem tröstlichen
Gedanken, dass die Liebe deswegen nicht stirbt. In dieser auf das Essentielle
reduzierten Tragödie erreicht sie eine Intensität im Ausdruck, die selten ist
– und nebenbei auch das Deutsche als poetische Sprache in der Musik feiert.
„Ich verabscheue die Pose, die große Geste. Ich suche lieber nach der großen
Kraft, die im Einfachen liegt“, sagt Annett Louisan über sich. Sie hat sie
schon gefunden, sagt ihr Publikum.
www.annettlouisan.de
www.myspace.com/annettlouisan
www.105music.com
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Update: Wednesday, 29. August 2007
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