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01/ 2003


... über Power und Härte zum Spass

Dieser Tage kommt die neue SINNER-Album "There Will Be Execution" in die Läden und dürfte sprichwörtlich weggehen wie die warmen Semmeln beim Bäcker ums Eck. Kurz vor Weihnachten stellte sich ein bestens aufgelegter Tom Naumann, seines Zeichens Gitarrist und Songwriter, telefonisch meinen neugierigen Fragen. Sehr erleichtert schallt es durch den Hörer: "Es tut gut, endlich wieder ein Interview auf Deutsch zu geben!", denn zuvor hatte der sympathische Schwabe nur mit Italienern und Griechen zu tun. Und schon ging es munter los mit der von schwäbischen und bayrischen Dialekt dominierten Unterhaltung.

S: Zu Beginn des Interviews möchte ich dir zu diesem genialen Album gratulieren?

TN: Freut mich echt riesig, dass dir "There Will Be Execution" so gut gefällt.

S: Die VÖ von "The End Of Sanctuary" liegt nun schon fast drei Jahre zurück. Warum habt ihr euch mit dem Nachfolger relativ lange Zeit gelassen?

TN: Nach dem Album war erst mal eine Tour angesagt und danach waren Mat und Henny Wolter (Gitarre) auch noch mit PRIMAL FEAR beschäftigt. Außerdem wollte Mat, dass ich beim neuen Album wieder mit dabei bin. Als dann feststand, dass Henny und ich wieder mitmachen, hat Fritz Randow (Schlagzeug) davon Wind bekommen und gesagt: "Jungs, wenn ihr eine Platte macht und ich bin nicht dabei, dann ich bin aber stinksauer." Natürlich haben wir zuerst die verschiedenen Termine miteinander koordinieren müssen, um dann im letzten Sommer gemeinsam ins Studio gehen zu können... Das soll aber nicht heißen, dass wir in den letzten drei Jahren nur auf der faulen Haut gelegen haben.

S: Wie lange habt ihr am neuen Album geschraubt?

TN: Ich hatte natürlich noch ein paar Ideen von früher parat, aber mit dem richtigen Songwriting haben wir im Januar 2002 begonnen. Im Juli/ August hatten wir dann genug Material zusammen, um gemeinsam für drei Wochen ins Studio zu gehen. Die Veröffentlichung ist dann Mitte/ Ende Januar 03, also haben wir fast ein ganzes Jahr an "There Will Be Execution" gearbeitet.

S: Nach der Auszeit von einem Album bist du - wie auch Fritz Radow - in die Band zurückgekehrt. Warum hast du dir damals diese Pause genommen?

TN: Nach dem PRIMAL FEAR-Debüt und "The Nature Of Evil" hatte ich einige gesundheitliche - sowie private - Probleme, sodass ich mir einfach ein bisschen Abstand verschaffen musste. Zumal es zu diesem Zeitpunkte bei PRIMAL FEAR auch richtig heftig zur Sache ging und ich den Jungs keinen Stein in den Weg legen wollte, denn wenn ich damals weiter dabei geblieben wäre, hätten beide Bands einen Gang zurückschalten müssen. Daher habe ich mich einfach dazu entschlossen eine längere Auszeit zu nehmen. Natürlich hatte ich während dieser Zeit immer Kontakt zu den Jungs, denn schließlich wohnen wir fast alle im gleichen Ort und haben die gleiche Stammkneipe. Jetzt bin ich aber wieder richtig auf dem Damm und kann wieder mächtig loslegen... hehe

Tom Naumann - guitars
S: Das Songwriting war bei den früheren Scheiben meist auf Mat und dich verteilt. Ist das beim neuen Album auch wieder der Fall, oder konnten sich die anderen Bandmitglieder auch mit einbringen?

TN: Die Songs haben diesmal Mat, Henny und ich geschrieben. Einmal hat der eine mehr zu einem Song beigetragen und der andere etwas weniger. Manchmal hat auch einer mal alleine eine Nummer geschrieben, aber hin und wieder haben wir auch zu dritt an einem Song herumgefeilt und uns gegenseitig verdammt gut ergänzt. Im Endeffekt hat jeder von uns so in etwa drei, vier Songs dazu beigetragen. Es war eine sehr, sehr entspannende und äußerst kreative Zeit. Auch die Arbeit im Studio war diesmal dermaßen locker. - So etwas habe ich wirklich noch nie erlebt! Wir mögen uns alle sehr gerne und jeder respektiert auch die Arbeit des anderen. Für mich war diese Besetzung mit Mat, Henny, Fritz, Frank und meiner Wenigkeit einfach ein Wunsch-Lineup. Selbst für mich als alten Haudegen in der Szene ist es schon etwas besonderes, mit solchen Koryphäen noch einmal ein Album einspielen zu dürfen.

S: Es hört sich so an, als hättet ihr im Studio jede Menge Spaß gehabt!

TN: Ja, wir hatten riesigen Spaß, und das war für uns auch das wichtigste an dieser Sache. Wir wollten auf diesem Album einfach drauflos rocken, ohne darüber nachzudenken, ob es den Leuten nun gefällt oder nicht. Wir haben irgendwo auf dem Album sogar einen "hidden track" drauf.

S: Meinst du den kurzen Ausschnitt der BEATLES-Nummer "Eight Days A Week"?Mat Sinner - vocals and bass


TN: Ja, genau den. Wir haben da die Ballade "Crown Of Thorns" eingespielt und als ich mit meinen Gitarrenparts fertig war, habe ich mal wieder richtig viel Blödsinn gemacht. Ich habe diesen Song total schräg gesungen und geklampft, während die anderen Jungs im Aufnahmeraum schier zusammengebrochen sind. Wie es der Teufel haben will, hat Achim Köhler auch noch vergessen die Aufnahme zu stoppen. Nachher waren wir alle zusammen der Meinung, dass dieser Part unbedingt mit auf das Album muss, um den Leuten zu zeigen, wie viel Spaß wir im Studio hatten. - Also es war mit Sicherheit keine geplante Aktion. Es war eine total lockere und lässige Atmosphäre, denn es gab wirklich keine 10 Minuten, in denen wir nicht gelacht haben.

S: "There Will Be Execution" ist wieder um einiges kompromissloser und härter ausgefallen als der Vorgänger. Warum habt ihr diesmal wieder den heftigeren Weg eingeschlagen?

TN: Stimmt! Wir haben aber nicht von vornherein gesagt, dass das neue Album härter werden oder komplett anderes klingen muss - es hat sich vielmehr einfach so ergeben. Im Grunde genommen ist jede neue SINNER-Platte immer anders als ihr Vorgänger gewesen, denn wir versuchen immer wieder neue Ideen mit einzubringen und nicht uns zu kopieren. Sind wir uns doch mal ehrlich, wer eine RUNNING WILD-Platte kauft, der weiß genau was ihn erwartet. So etwas mag für den Die Hard-Fan ganz in Ordnung sein, aber mir fehlt da irgendwo der gewisse Überraschungsmoment. Bei diesem Album haben wir die Songs einfach aus dem Bach heraus geschrieben, ohne uns groß darüber Gedanken zu machen, ob der Song zu hart, zu kurz oder etwa zu lang ist. Im Endeffekt hat natürlich auch die fette Produktion dazu beigetragen, dass die Scheibe so heavy klingt. Sicherlich trägt Mat auch seinen Teil bei, denn er hat bei einigen Songs schon verdammt aggressiv gesungen. Ich glaube, Mat hat noch nie so eine aggressive Performance an den Tag gelegt wie auf diesem Album. Außerdem ist "There Will Be Execution" auch sehr basic-mäßig gehalten, denn diesmal sind weniger Keyboards dabei und die Refrains enthalten fast keine Chöre.

Henny Wolter - guitars
S: Ich glaube mich an ein Interview zum letzten Album zu erinnern, in dem Mat zu Protokoll gegeben hat, dass "The End Of Sanctuary" nicht so hart wie seinerzeit "The Nature Of Evil" ausgefallen sei, um einer Konkurrenzsituation mit PRIMAL FEAR aus dem Wege zugehen. Glaubst du nicht, dass das neue Album genau diese Situation heraufbeschwört?

TN: Ja, mag sein. Klar, dass man durchaus Parallelitäten zu PRIMAL FEAR ziehen kann, denn schließlich schreiben Mat und ich auch Songs für beide Bands. Aber ich denke, dass schon noch ein gewisser Unterschied zwischen beiden Bands besteht, der sich in den unterschiedlichen Gesangsarten offenbart. Denn Ralph hat eher eine markante Metal-Sirene, während Mat doch mehr den Blues und Rock a la DAVID COVERDALE im Blut hat. Obwohl das Album sehr hart geworden ist, würde ich "There Will Be Execution" nicht als Konkurrenz zu PRIMAL FEAR sehen, auch wenn sie sich von der Instrumentierung her sehr ähneln. Außerdem fällt bei SINNER jede Platte unterschiedlich aus und bei PRIMAL FEAR fährt man doch eher die direkte Power Metal-Schiene.

S: Welche Songs haben dir als Gitarrist am meisten abverlangt? Und warum?

TN: Abverlangt darf man eigentlich gar nicht so sagen. Aber ich kann dir sagen welcher Song mir am meisten Spaß gemacht hat. - "Finalizer". Bei diesen Songs gibt es im Vers doch einige Töne, die eine größere Herausforderung darstellten, da sie nicht so einfach zu spielen waren wie sie im Endeffekt auf der Platte klingen. Ein weitere Favorit von mir ist "Higher Level Of Violence" - einfach eine klasse Nummer.

S: Ihr habt mit "Wherever I May Roam" auch einen Beitrag für das METALLICA-Tribute geleistet. Warum habt ihr gerade diese Nummer auserkoren?Frank Rössler - keyboards


TN: Das ist eigentlich eine gute Frage. Für diese Entscheidung könnte ich Mat noch immer den Kopf runterreißen... hehe. Wir hatten damals mehrere Song zur Auswahl und ich war eigentlich immer der Meinung, dass wir uns einer älteren Nummer annehmen sollten, da METALLICA in den früheren Jahren soundmäßig noch nicht so stark waren und wir daher die Möglichkeit hatten produktionstechnisch noch eine Schippe nachzulegen. Letztendlich hat sich Mat aber doch für "Wherever I May Roam" entschieden, weil es von der Art her mehr in die SINNER-Ecke passt als eine ältere METALLICA-Nummer. Ich glaube, dass wir diesen Song eigentlich ganz gut hinbekommen haben. Er ist zwar nahe am Original angelegt, aber könnte durchaus auch als eigenständige SINNER-Nummer stehen. Allerdings muss ich gestehen, dass es eine gewisse Herausforderung war diesen Song zu spielen, denn in "Wherever I May Roam" steckt gitarrentechnisch mehr drin als man anfangs glaubt und deshalb musste ich verdammt viel und hart arbeiten.

S: Außerdem ist mir aufgefallen, dass ihr ein neues Band-Logo habt. Warum eigentlich?

TN: Genau! Das kommt daher, dass wir in der Band eigentlich alle Akte X-Fans sind. Wir hatten die Idee das Booklet ähnlich wie ein Drehbuch zu gestalten und wollten - um unseren Spleen für die Serie zu zeigen - das ganze Teil Akte X-mäßig stylen. Also haben wir kurzer Hand auch das Bandlogo geändert. Aber es kann durch aus sein, dass auf dem nächsten Album das ursprüngliche Logo wieder zum Zuge kommt.

Fritz Randow - drums
S: Warum habt ihr gerade "There Will Be Execution" als Albumtitel auserkoren?

TN: Als Mat und ich mit dem Schreiben begonnen hatten und wir merkten in welche Richtung es gehen würde, haben wir uns überlegt, welchen Titel wir wohl nehmen würden. Da die Scheibe aggressiver als jedes andere SINNER-Album ist, musste einfach auch ein brutaler Titel her. Wir wollten mit diesem Album-Titel die Leute auf die Power gefasst machen, die sie in den folgenden Tracks erwartet. Es gab aber auch schon Journalisten, die versuchten den einstigen Streit zwischen Mat und der SINERGY-Sängerin Kimberly Goos in diesen Titel hineinzuinterpretieren. Ich kann dem nur widersprechen und versichern, dass mit diesem Titel keine bestimmte Person gemeint ist.

S: Wie stehst ihr dem neuem Medium DVD gegenüber? Spielt ihr mit dem Gedanken in näherer Zukunft ein derartiges Album zu veröffentlichen?

TN: Geplant ist eine derartige Veröffentlichung noch nicht, aber es könnte durchaus sein, dass wir uns in der Zukunft auch diesem Medium widmen. Das Problem ist einfach, dass heutzutage auf derlei Veröffentlichungen oft minderwertiges Material verwendet wird und man dem Fan damit nur das Geld aus der Tasche zieht. Wenn wir eine DVD veröffentlichen, dann habe ich den Anspruch an mich selbst Material zu sammeln, das den vielen technischen Möglichkeiten dieses Mediums gerecht wird.

S: Tom, ich bedanke mich bei dir für das sehr ausführliche und unterhaltsame Interview.

TN: Keine Ursache, ich habe zu danken. Vielleicht trifft man sich mal auf einem Konzert und es bietet sich die Gelegenheit für einen kleinen Plausch oder das ein oder andere Bierchen. Wäre doch schön!

01. Higher Level Of Violence
02. There Will Be Execution
03. Requiem For A Sinner
04. Die On Command
05. Finalizer
06. Locked & Loaded
07. God Raises The Dead
08. The River
09. Liberty Of Death
10. Black Monday
11. Crown Of Thorns

"There Will Be Execution" (2003 / Nuclear Blast)

DISKOGRAFIE:

"Danger Zone" (1984)
"Touch Of Sin" (1985)
"Comin' Out Fighting" (1968)
"Dangerous Charm" (1987)
"No More Alibis" (1992)
"Respect" (1993)
"Germany Rocks - Best Of" (1994)
"Bottom Line" (1995)
"In The Line Of Fire" (1996)
"Judgement Day" (1997)
"The Nature Of Evil" (1998)
"The Second Decade - Best Of" (1999)
"End Of Sanctuary" (2000)
"There Will Be Execution" (2003)

weitere Informationen unter www.matsinner.de

Sonny

Thanks to Markus @ Nuclear Blast

Last Update: Sunday, 26. January 2003
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