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10/ 2003


„... ich bin wieder da – so ehrlich ich sein kann“


Kennern der deutschen Szene dürfte der Gitarrist Stephen "Seegi" Seger (ex-MR. HATE) kein Unbekannter mehr sein. Nach dem Split von MR. HATE wilderte der Songwriter und Produzent in der Cover-Szene herum, um dann Jahre später mit einer großartigen Rockscheibe im Gepäck zurückzukehren, die nicht nur Fans von DOKKEN begeistern dürfte. Also war es mir eine Freude den sympathischen Bandleader etwas eingehender zum vorliegenden Debüt "Running Out Of Lies" befragen.

S: Kannst du uns bitte etwas zur Entstehungsgeschichte von MIDNITE CLUB erzählen?

Stephen: MIDNITE CLUB hat sich quasi während den Aufnahmen zum Album entwickelt. Zu Beginn wollte ich eigentlich ein Instrumental-Album aufnehmen, so ein Fuddel-Album wie früher Tony MacAlpine oder Greg Howe J Die Songs, die ich schrieb, waren einfach gute Rocksongs und es wäre zu schade gewesen, sie als Instrumental verkümmern zu lassen. So suchte ich mir die Leute zusammen. Nach kurzer Zeit hatte ich die Besetzung zusammen und so wurde aus aus meinem Solo-Projekt eine richtige Band.

S: Du bist mit Carsten seit eurer gemeinsam Zeit bei MR. HATE befreundet. Stand für dich von Anfang an fest ihn als Sänger zu holen oder hat es mehrere Wunschkandidaten gegeben?

Stephen: Ja, er war die treibende Kraft hinter Midnite Club. Ich wollte ja schon seit Jahren in Album aufnehmen. Ende letzten Jahres spielte ich Carsten die Grundzüge des Songs "Running Out Of Lies" vor. Er war ziemlich begeistert und somit waren die Weichen gestellt. Des weiteren kam für mich nur Carsten als Sänger in Frage, da ich auch seine Arbeitsweise kenne und man sich hundertprozentig auf ihn verlassen kann. Er ist sehr engagiert, pünktlich und zuverlässig. Eigentlich sehr ungewohnte Eigenschaften bei einem RocksängerJ

S: Ich finde, dass sich Carsten seit MR. HATE enorm weiterentwickelt hat (ich muss zugeben, dass ich ein großer Fan von Carstens Stimme bin
J) Wie würdest du ihn im Vergleich zu nationalen und internationalen Größen einordnen?

Stephen: Die eben genannten Charaktere sind schon mal große Pluspunkte, hahaha. Stimmlich gehört er definitiv zur oberen Liga der deutschen Rocksänger. Er hat etwas sehr Eigenes, nur so kann ich mir erklären, dass einige Redakteure meinen wir würden klingen wie Domain J Ich denke, Carsten hat durch den Recording-Drill der letzten drei Jahre sehr viel an Erfahrung gewonnen, insofern hast du schon recht. Aber das ist ein ganz normaler Prozess: Übung macht den Meister!

Stephen "Seegi" Seger - Guitars
S: Mit dem Song "Midnite Club" habt ihr eine Nummer am Start, die Carsten Schulz (DOMAIN/ EVIDENCE ONE) und Robby Böbel (EVIDENCE ONE/ FRONTLINE) ursprünglich für das EVIDENCE ONE-Debüt geschrieben haben. Nach diesem Titel habt ihr euch auch benannt. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Stephen: Das war Carstens Idee. Er spielte mir den Song vor, weil er die Nummer ziemlich gut fand und Robby Böbel (EVIDENCE ONE) sie für das E1 Debüt aber nicht verwenden wollte. Der Song passt sehr gut zu uns. Irgendwann meinte Carsten, dass dieser Titel doch auch ein guter Bandname wäre. Somit war dieses Problem auch erledigt.

S: Des weiteren habt ihr mit "The Wild Boys" (ist übrigens meine Lieblingsnummer von DURAN DURAN) eine Cover-Version am Start. Wie bist du gerade auf diese Nummer gekommen?

Stephen: Wieder Carsten. Ich war gerade auf dem Weg ins Studio, da klingelte das Handy. Carsten war dran und meinte: "Seegi, ich hatte einen Traum. Ich träumte wir spielen "Wild Boys" auf einer riesigen Bühne". Zu dem Zeitpunkt überlegten wir andauernd welchen Song wir covern sollten. Also begann ich "Wild Boys" zu arrangieren und das Ergebnis hört man nun auf dem Album.

S: Ich finde, dass ihr die Nummer genial umgesetzt habt, denn eure Interpretation zeigt wie viel Power eigentlich in diesem Song steckt.

Stephen: Ja, "Wild Boys" ist eine richtig geile Rocknummer. Es war auch sehr einfach mit den Arrangements zu arbeiten. Das Ergebnis kann sich auch, meiner Meinung nach, hören lassen.

S: Gibt es auf dem Album einen Song, der dir besonders am Herzen liegt?

Stephen: Poah, eigentlich mag ich sie alle J Zu jedem Song fällt mir irgendeine Geschichte ein. Vielleicht "Morning Rain", den Song schrieb ich auf einer sechswöchigen Schiffsreise mit meiner Coverband. Dieser Song hat so ein bisschen Südsee-Feeling, haha. Sehr schwierig zu beantworten.

S: Mit "Running Out Of Lies" habt ihr als "Newcomer" im ROCK IT! die Soundcheck-Wertung gewonnen. Welche Bedeutung haben derartige Wertungen für dich?

Stephen: Nun ja, ich bin schon ein bisschen stolz. Für einen Künstler sind solche Bewertungen natürlich die Bestätigung, dass man auf dem richtigen Weg ist. Du musst dir allerdings bewusst werden, dass zu den positiven auch negative Bewertungen kommen. Musik wird immer kritisch bewertet und unterliegt ganz subjektiven Einstellungen, aber ein gutes Lob hört man immer gern J

S: Soviel ich weiß, war "Running Out Of Lies" als Solo-Album von dir angedacht. Siehst du diese Scheibe nun also Solo-Geschichte an oder hat die Sache für dich eindeutig Bandcharakter?

Stephen: MIDNITE CLUB ist definitiv eine Band, da alle Musiker dahinter stehen und wir auch zusammen Live spielen wollen. Ich habe zwar alle Songs geschrieben, habe den Musikern aber keine Vorschriften gemacht, als sie ihren Part eingespielt haben. So konnte sich jeder noch individuell mit einbringen.

Carsten "Lizard" Schulz - Vox
S: Wie ich gehört habe, arbeitest du schon fleißig am Nachfolger von "Running Out Of Lies". Hast du vor, den Nachfolger in der gleichen Besetzung einzuspielen? Ich frage weil z. B. Carsten ein vielbeschäftigter Sänger ist.

Stephen: Dies schließt die vorherige Frage mit ein. Wenn nichts dazwischen kommt (weiß man nie) wird die nächste Platte von den gleichen Musikern eingespielt, logisch. Ich will das eigentlich auch so, da ich mich auf die Jungs hundertprozentig verlassen kann.

S: Was steckt eigentlich hinter dem Albumtitel?

Steffen: Eigentlich nichts Bestimmtes. Allerdings war es so, dass ich nach dem Split von MR. HATE erst mal gar keinen Rock mehr gemacht habe, sondern mehr mit Coverbands unterwegs war. Im Herzen bin ich aber nun mal ein Rocker. Vielleicht assoziiere ich damit: "ich bin wieder da - so ehrlich ich sein kann" J

S: Welches Ereignis würdest du als wichtigste Station deiner bisherigen Musiker-Laufbahn bezeichnen?

Stephen: Das war definitiv der Einstieg bei MR. HATE 1995, da ich mit der Band zum erstenmal enger mit dem Business in Kontakt kam und ohne der Freundschaft zu Carsten hätte es auch keine MIDNITE CLUB-Platte gegeben.

S: Was war für dich der Auslöser Musiker zu werden?

Stephen: Mein Vater. Er zwang mich im Alter von sieben Jahren Akkordeon zu lernen J Drei Jahre später sah ich KISS im Fernsehen. Als ich sah, wie Paul Stanley eine Gitarre zusammenschlug, war mir klar, dass ich dies auch mal machen möchte. Ab dem Moment nörgelte ich so lange rum, bis ich kurze Zeit später zu meinem elften Geburtstag eine Gitarre bekam.

S: Mit welchem Musiker(n) würdest du gerne einmal zusammenarbeiten?

Stephen: Die Liste würde meine Festplatte sprengen. Da gibt es so viele. Jonathan Cain, oder Jack Blades, vielleicht auch DEMOND CHILD oder JIM PETERIK. Neal Schon (JOURNEY) käme auch noch in Frage usw. Also ganz viele!

S: Werden wir in den Genuss kommen MIDNITE CLUB auch einmal auf der Bühne zu erleben?

Stephen: Ich hoffe doch. Wir sind alle Live-Musiker und wollen auf jeden Fall spielen. Bis jetzt steht aber noch nichts Konkretes fest. Da muss man eben abwarten.

S: Wie siehst du die momentane Entwicklung in der Hard Rock-Szene?

Stephen: Es bewegt sich was. Die Medien nehmen wieder Notiz von den Rockbands, frührer oder später müssen sie uns auch wieder pushen. Das ist der Kreislauf, alles kommt immer wieder und wiederholt sich. Wir können nur hoffen das Melodic Rock bald mal wieder an der Reihe ist J

S: Seegi, ich bedanke mich für dieses Interview und hoffe, dass wir uns in geraumer Zeit mal persönlich kennen lernen.

Stephen: Garantiert J

1. Neon Dreaming
2.
Too Close To The Sun
3.
Morning Rain
4.
Wild Boys
5.
Snakecharmer
6.
Ticket To Silence
7.
Heaven Beyond
8.
Running Out Of Lies
9.
Midnite Club
10.
What The Mirror Only Knows
11.
Thoughts Away

"Running Out Of Lies" (2003/ Escape Music/ Sony Music)

DISKOGRAFIE:

"Running Out Of Lies" (2003/ Escape Music)

weitere Informationen unter www.midniteclub.de

Sonny

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Last Update: Sunday, 19. October 2003
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