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08/ 2002


Nur laute Musik vertreibt die bösen Geister

Seit Anfang der 70er ist Jutta Weinhold schon im Musik-Bussiness tätig und hat seither viele Höhen und Tiefen durchlebt. 1975 gründete sie JUTTA WEINHOLD BAND und veröffentlichte zwei Album. Dem Größteil der jüngeren Generation dürfte die Sängerin allerdings von ZED YAGO/ VELVET VIPER (1987 - 1992) oder von ihre Solo-Scheibe "To Be Or Not ..." (1993) her kennnen. Nach diesem Solo-Album wurde es plötzlich ziemlich ruhig um die ausdruckstarke Sängerin/ Songwriterin bevor sie sich 1999 mit der CD "In Session", die zumeist aus brillanten inpretierten Cover-Versionen besteht, - heimlich still und leise - zurückmeldete. Jetzt, da sie gerade an einem neuen Album arbeitet und die Veröffentlichung einer ZED YAGO-Best Of ansteht, kommt endlich zum lange geplanten Interview. Aber lest selbst, was die Frau der dramatischen Klänge zu erzählen weiß.

S: Hallo Jutta, es freut mich riesig, dass unser schon lange geplantes Interview nun doch noch zustande kommt.

JW: Klar, Mann aus dem Süden, ich freue mich auch riesig.


S: Nach den ZED YAGO-/ VELVET VIPER-Alben und deinem Solo-Album "To Be Or Not ..." wurde es ziemlich ruhig um deine Person. Warum eigentlich und was hast du in der Zwischenzeit gemacht?


JW: Nachdem 1990 der Himmel auf mich herabstürzte und ich nur noch mit Anwälten, einstweiligen Verfügungen ect. zu tun hatte, fing ich an ein Buch zu schreiben. 250 Seiten über Zed Yago auf der Suche nach der verlorenen Phantasie. Ich mußte das einfach tun, um nicht verrückt zu werden. Denn das Ende von Zed Yago hat mich doch sehr mitgenommen. Schließlich war die Tochter vom Fliegenden Holländer meine Idee. Ok, aber das wolltest Du ja gar nicht wissen. Stimmts?
Also zurück zur Realität. Ich habe mich 1994 vom Rock´n` Roll zurückgezogen. Habe Hamburg verlassen und mich südlich von Hamburg niedergelassen, ein Klavier gekauft und Stunden in einer Musikschule genommen. 1995 wurde ich gebeten Gesangsunterricht in eben dieser Schule zu geben. Aus diesem Gesangsunterricht wurde ein Gospel-Rock Chor mit ca. 40 Frauen. Das macht mir sehr viel Spaß und ist nebenbei perfektes Training für meine Stimme und meinen Gesang. Zwischendurch habe ich Studiojobs, Sessions und Workshops gemacht.


S: 1999 hast du gemeinsam mit Keyboarder Klaus Henatsch die JUTTA WEINHOLD BAND wieder ins Leben gerufen und die CD "In Session" in Eigenregie eingespielt. Wie kam es dazu?

JW: Ich traf Klaus bei einer Session. Er hatte Ende der siebziger Jahre schon einmal in der Jutta Weinhold Band gespielt und wir haben uns auf Anhieb wieder gemocht. Die Chemie war da.

S: "In Session" ist ein sehr soul- bzw. bluesorientiertes Album. Woher kam die Idee dafür?

JW: Die JWB in den Siebzigern war rhythm and blues-orientiert und so lag es nahe sich mit dieser Richtung erneut zu befassen. Wir wollten einfach ein bißchen spielen. Ohne die Industrie, ohne Big-Business, wenn Du weißt was ich meine. Es gibt immer noch Clubs, die gerne handgemachte Musik buchen. Musizieren war die Ausgangsbasis. Improvisationen, lange Soli, Musik der Musik wegen. Das macht Spaß.

S: Du hast gerade das Material für ein neues Album geschrieben und bist zur Zeit im Studio. Dürfen sich deine Fans wieder auf ein härteres Album freuen oder geht es im Stile von "In Session" weiter?

JW: Ja, und vor einem Jahr hat es mich wieder gepackt. Wir hatten mittlerweile neue Musiker in der JWB, die stramme Musik gut fanden. Ich habe außerdem so viele E-mails bekommen von Zed Yago Fans, die alle nur einen Wunsch hatten. Du kannst Dir vorstellen welchen. Seit einem Jahr ist mir klar, dass ich wieder harte, dramatische Musik machen will. Kompromißlos und konsequent soll die nächste Produktion werden. Ich steh' einfach auf die härtere Gangart und will es noch einmal wissen. Habe Blut geleckt und nehme die ganze Sache wieder total ernst. Ich möchte Hardrock, dramatic Metal, wie immer man es nennen mag, machen mit allem was ich dazu beitragen kann. In der Band sind exzellente Musiker, die auch Bock darauf haben. Also starten wir durch. I've got nothing to lose.
Ich empfinde heutzutage eine kolossale Freiheit meine Musik zu interpretieren. Keine Zwänge, Abhängigkeiten, keiner und nichts sitzt mir im Nacken. Das tut unheimlich gut.

Wir haben 14 brandneue Titel komponiert und sind seit einer Woche dabei aufzunehmen.

S: Kannst du schon mehr zu einzelnen Songs verraten?

JB: Natürlich habe ich wieder literarische Themen im Angebot. Gewaltige Musik braucht gewaltige Worte. z. B. der Titel Macbeth, von Shakespierre, eine interessante, dramatische Geschichte, die zu der Musik paßt. Oder das Buch "Die Verwandlung" von Franz Kaffka, heißt nun, "Metamorphosis" und wird hammerhart bedient. In diesem Stück wird auch was aus dem klassischen Musikbereich gespielt, nämlich von "Rachmaninov".
Dann habe ich den "Blues-Metal" . Der draufgängerische Metal trifft auf den sensiblen Blues.
Natürlich kommt der metallische Rock `n` Roll nicht zu kurz. Der steht sowieso immer an der ersten Stelle. Ist doch klar? Oder! Wovon kann ein alter Rock `n` Roll-Indianer schon träumen?
Von lauter Musik, welche die bösen Geister vertreibt. Aha.......!
Ich habe noch ein paar Überraschungen, aber nicht alles auf einmal. OK.


S: Unter welchem Banner wird das neue Album erscheinen und wann?


JW: Der Bandname wird abgespeckt "WEINHOLD" ist jetzt die Parole.
Ich möchte den creativen, Rock wieder nach vorne bringen. Selbst komponieren, versuchen eine Musik zu machen, die der eigenen Mentalität entspricht. Der Untergang der deutschen Rock-Subkultur, ha ha, sind die Cover-Bands. Dort geht soviel Potential verloren.
Es ist schade, wenn ich so mitkriege, wie talentierte Musiker ihr Talent bei irgendeinem Nachspiel-Quatsch verlieren. Das tut mir richtig leid und ist für die Musik- Szene mehr als beklagenswert.


S: Hast schon ein Label an der Hand, welches das neue Album veröffentlichen wird.

JW: Ich bin sicher, dass die Entscheidung wieder in die harte Richtung zu gehen, uns interessierte Label bringen wird. Aber Genaues.......? Du weißt. Erst muss die CD fertig sein. Über Musik kann man nicht reden. Hören ist angesagt.

S: Im Oktober veröffentlicht SPV eine Best Of-CD von ZED YAGO. Hast du bezüglich der Songauswahl ein Wort mitzureden?

JW: Ja natürlich, ich habe zusammen mit Giko Krömker von Sunzi Marketing, Hamburg und Hans Barth von Warner Chappell eine CD (das Material reicht auch für zwei) zusammengestellt.

S: Wird auf dieser Compilation vielleicht die ein oder andere unveröffentlichte Nummer zum Zuge kommen?

JW: Auf jeden Fall. Ich habe mal in meinem Fundus gekramt und bin fündig geworden.
Es ist bestimmt interessant. Ich habe unveröffentlichte Nummern, Demos, Life-Aufnahmen usw. Auf jeden Fall ist auch das Video "Black Bone Song" dabei.


S: Welche Hoffnungen verbindest du mit dieser Best Of-Scheibe?

JW: Ich hoffe, dass die ganzen Promotion-Aktivitäten meinen Namen wieder ins Gespräch bringen und die Leute Lust haben zu hören was ich heute so treibe. Außerdem hoffen wir, dass uns ein paar Türen für Tourneen oder Gigs geöffnet werden. Es ist unheimlich schwer ohne den Plattenfirmenapparat voranzukommen.

S: Wie ist es generell um Live-Aktivitäten bestellt?

JW: Wie schon gesagt. Warten wir's ab. Im Moment bin ich voll auf die Produktion konzentriert. Das steht an erster Stelle. Mein Traum: nächstes Jahr in Wacken dabei zu sein.
S: Welches Album würdest du als das wichtigste deiner bisherigen Laufbahn bezeichnen?

JW: Das Neue. Das ist doch klar, lieber Sonny.

S: Du bist ja nun schon einige Jahre im Geschäft. Wie siehst du die momentane Entwicklung im Hard- und Heavy-Bereich?

JW: Es ist zum Kotzen, dass Musik zu reinen Konsum verkommt. Musik kann ideelle Werte vermitteln, die ansonsten in unserer materiell orientieren Gesellschaft verloren gehen. Ich kämpfe und gehe dafür auf die Barrikaden, um der Musik den Stellenwert zu geben, den sie verdient. Ich kann diese seichte, künstliche Popscheiße nicht mehr hören. Ich mein' ich hab' das nie gehört, aber manchmal wird einem der Dreck aufgezwungen. Man kann sich dem Mist nicht mehr entziehen und das ist widerlich. Ich zeige Flagge, das ist ein Teil meiner Botschaft. Rockmusik ist immer progressiv, revolutionär, kreativ, phantasievoll und ehrlich. Das sage ich laut und noch lauter. Es gibt immer noch Leute die das wissen, begreifen und auch wollen. Das ist die Hoffnung, denn täglich werden wir mehr. Wir müssen nur aushalten, geduldig sein wie die alten Eichen: allen Gewalten zum Trutz sich erhalten, nimmer sich beugen, kräftig sich zeigen, rufet die Arme der Götter herbei.
It all comes back. Rock ist Gott sei Dank, keine Modeerscheinung. Nicht abhängig von Trends ect.
Diese Musik ist einfach da. Mal Vorne, mal in der Mitte, mal Hinten, aber immer da. (wie wahr, wie wahr/ Anmerk. Sonny)


S: Welche Musik hörst du privat?

JW: Hard-Rock, Metal, manchmal Klassik. Ich will jetzt keine Namen nennen, sonst vergess' ich noch jemanden und der ist dann total traurig. Ok, Du verstehst. Alles klar?

S: Die Texte der ZED YAGO-/ VELVET VIPER-Alben und von "To Be Or Not ..." haben meist mystische und literarische Inhalte. Bist du ein Mensch, der sich sehr für Mystik und Literatur interessiert?

JW: Ja, ich mag Literatur, Poesie, Gedichte, Mythologien, Sagen, Märchen. Einfach alles Geschriebene das meine Phantasie in Gang setzen kann und meine Empfindungen bereichert. In unserer Klassik z. B. sind vor Hunderten von Jahren Dinge geschrieben worden, die immer noch einen Bezug zu uns Menschen von heute haben. Da findet man so gute Gedanken, Philosophien, hervorragende Worte, die uns nur positiv beeinflussen und vor allen Dingen, die wirklich helfen können, in Momenten in denen wir hilflos sind.

S: Lässt dir die Musik Zeit für anderes Interessen?

JW: Ich lese viel. Eigentlich möchte ich noch mehr lesen. Zur Zeit," Atlantis" von Steven King. Ich mag ihn sehr. Außerdem liebe ich Katzen. Momentan sind es vier Kater und ein Kätzchen. Das Kätzchen macht mir immer Sorgen. Die Kater sind verhältnismäßig cool.

S: Welches Projekt steht als nächstes in Haus?

JW: Erstmal die neue CD natürlich. Außerdem habe ich mein Buch Zed Yago von 1990 noch mal überarbeitet und will sehen, was ich damit machen kann. (hört sich vielversprechend an/ Anmerk. Sonny)

S: Jutta, ich bedanke mich recht herzlich für dieses Interview und hoffe, dass wir uns irgendwann einmal persönlich kennenlernen.

JW: Das würde ich auch gerne. Ich bin sicher es wird passieren, bzw. es muss passieren. OK! Ich arbeite daran. Ich grüße alle hard und heavy heads

CD One
1. Zed Yago (live in London 1989)
2. Merlin (from "Velvet Viper" 1990)
3. Black Bone Song (from "Pilgrimage" 1989)
4. Hammerhouse (from "Velvet Viper" 1990)
5. United Pirate Kingdom (from "From Over Yonder" 1987)
6. Fear Of The Death (from "Pilgrimage" 1989)
7. Icebreaker (from "Velvet Viper" 1990)
8. The Pale Man (from "Pilgrimage" 1989)
9. Waiting For The Wind (Demo 1985)
10. Pioneer Of The Storm (from "Pilgrimage" 1989)
11. Stay The Course - Part II (drum solo live in London 1989)

CD Two
1. Pilgrims Choir (from "Pilgrimage" 1989)
2. Pilgrimage (from "Pilgrimage" 1989)
3. Queen And Priest (from "From Over Yonder" 1987)
4. Rebel Ladies (from "From Over Yonder" 1987)
5. Cover Man (Demo 1985)
6. Rose Of Matyrdom (from "Pilgrimage" 1989)
7. Ring Of Stone (from "Velvet Viper" 1990)
8. Rocking For The Nation (live in London 1989)
9. HM Rebels (from "Velvet Viper" 1990)
10. The Spell From Over Yonder (from "From Over Yonder" 1987)
11. Rebel Ladies - Part II (live in Munich 1989)

"... From The Twilight Zone - The Best Of Zed Yago"
(2002/ Steamhammer/ SPV)

DISKOGRAFIE:

ZED YAGO
"From Over Yonder" (1987)
"Pilgrimage" (1989)
"... From The Twilight Zone - The Best Of Zed Yago" (2002)

VELVET VIPER
"Velvet Viper" (1990)
"The 4th Quest For Fantasy" (1992)

JUTTA WEINHOLD
"To Be Or Not..." (1993)

JUTTA WEINHOLD BAND
"In Session" (1999)

weitere Informationen unter www.jutta-weinhold.de

andere Beiträge über JUTTA WEINHOLD
Reviews:
WEINHOLD/ Below The Line (female fronted-Tipp/ May 2006)
WEINHOLD/
From Heaven Through The World To Hell
ZED YAGO/
... From The Twilight Zone - The Best Of Zed Yago
JUTTA WEINHOLD BAND/
In Session

Specials:

"own words"
... JUTTA WEINHOLD über ihr geniale Comeback-Scheibe "From Heaven Through The World To Hell" (2004)
"... jetzt schlägt's dreizehn"
mit JUTTA WEINHOLD (2004)

Sonny

Last Update: Sunday, 04. August 2002
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