Mit
der Veröffentlichung von "Middle Of Nowhere" gab
Sänger Andy Urbeck seinen Einstand bei HOTWIRE, die sich kurz zuvor
von ihrem früheren Sänger Werner Stadi getrennt hatten. Obwohl
dieses Album von dessen songwriterischer Einfluss noch stark geprägt
war, lieferte Andy Urbeck einen erstaunlich guten Job ab. Nun ist mit
"Devil In
Disguise" endlich der heißersehnte Nachfolger, dem Andy
Urbeck und Alex Espinosa (Gitarre) ordentlich ihren Stempel aufgedrückt
haben, in den Läden. Da diese Scheibe im Juni zu unserem "Album
Of The Month" gekürt wurde, war es uns ein besonderes
Vergnügen mit dem sympathischen Frontmann ein ausführliches
Interview zu führen.
S: Du bist ja
erst kurz vor der Veröffentlichung von "In
The Middle Of Nowhere" zur Band gestoßen. Kannst du uns einen
kurzen Überblick über dein Musikerleben vor HOTWIRE verschaffen und
wie bist du letztendlich bei der Band gelandet?
AU: Ich hab im Internet gelesen, dass HOTWIRE
einen neuen Sänger sucht. Da mir die Band schon bekannt war und ich
Bock auf Rockband hatte, bewarb ich mich bei Tom Glas mit einem Demo.
Der rief prompt zurück und meinte, dass von seiner Seite aus einer
Zusammenarbeit nichts im Wege steht. Auch Winnie war dafür, nur dem
Alex seine Stimme fehlte noch. Der lag nämlich grad in Spanien am
Strand beim Cocktail saufen und Lolitaärsche kucken. Da es eilte mit
der Entscheidung (''Middle Of Nowhere'' stand kurz vor der Veröffentlichung),
schickte ihm Tom das Demo nach Spanien. Auch Alex gab sein ok und nun
bin ich seit August 2000 Bandmitglied.
S: Zwischen "In The
Middle Of Nowhere" und dem neuen Album liegen gute fünf Jahre.
Warum hat es so lange bis zur Veröffentlichung von "Devil In
Disguise" gedauert?
AU:
Da die Songs auf ''Middle Of Nowhere'' noch teils aus der Feder des
Ex-Sängers stammten und die Band sich während der Aufnahmen von
diesem trennte, gab es nach der Veröffentlichung einige rechtliche
Dinge zu klären. Streit um den Bandnamen und jede Menge
Pille-Palle-Kinderkram. Wir mussten uns also erstmal die Rechte am
Namen sichern und alles Hinderliche aus vergangenen Tagen loswerden,
um neu anfangen zu können. In dieser kleinen schöpferischen Pause,
wandte sich natürlich jeder auch anderen Projekten zu (man muss ja
auch Geld verdienen) und die daraus entstanden Verpflichtungen
bremsten natürlich die ganze Entwicklung. Wir trafen uns zwar regelmäßig
um Songs zu schreiben, aber es ging ganz einfach zäh voran. Als dann
endlich alles soweit fertig war, konnten wir Chris Lausmann als
Produzenten gewinnen. Da dieser jedoch ein viel beschäftigter Mann
ist, zog sich das arrangieren, aufnehmen, mischen und mastern ewig in
die Länge. Ich finde jedoch, dass das Ergebnis den langen Weg wert
war.
S: Das neue Album wirkt im Vergleich zum guten Vorgänger, der
durch den jähen Sängerwechsel unweigerlich etwas litt, wie aus einem
Guss. Wo liegt für dich ganz persönlich der Hauptunterschied zu
"In The Middle Of Nowhere"?
AU: So wie die Truppe jetzt aufgestellt ist,
herrscht ein super Bandklima. Jeder ist offen und keiner ist zickig,
das erleichtert die Arbeit ungemein. Außerdem ergänzen Alex und ich
uns sehr gut beim Songschreiben was dann noch von Tom und Winnie im
Proberaum optimal abgerundet wird.
S: Für "Devil In Disguise" habt ihr euch
produktionstechnische Unterstützung von Chris Lausmann (ex-BONFIRE)
geholt. Warum habt ihr diesmal nicht wieder selbst produziert und wie
war die Arbeit mit Herrn Lausmann?
AU: Jeder von uns besitzt zwar ein gutes Gehör
und Gefühl für die Produktion, aber wir dachten, für das Comeback wäre
es sinnvoll, einen Profi in Sachen Studioarbeit ins Boot zu holen. Die
Arbeit mit Chris war absolut easy und wir konnten sehr viel von ihm
lernen. Leider war das Ganze wie schon erwähnt halt nur sporadisch möglich.
S:
Auf der neuen Scheibe sind mit "Hot Love" und "Ride The
Night Away" zwei Coverversionen am Start. Was hat euch gereizt,
gerade diese beiden Nummern neu aufzunehmen? Ich meine, der T.
REX-Klassiker wurde ja schon zigmal gecovert und den anderen Song dürften
nur wenige Hard Rock-Fans in der Originalversion kennen...
AU: Idee und Ausführung von ''Hot Love''
stammen von Chris Lausmann und ''Ride The Night Away'' hatte ich zuvor
schon mit einer anderen Band performt. Ich konnte mich erinnern, dass
die Nummer ordentlich nach vorne ging und dachte, die würde sich für
HOTWIRE eignen.
S: Mit dem wunderschönen "Wonderland" oder der
Acoustic-Ballade "Here I Am" habt ihr zwei Nummern am Start,
die sich förmlich als Single aufdrängen. Ist eine derartige Veröffentlichung
in Planung?
AU:
Noch nicht geplant, aber durchaus möglich.
S: Welche Nummer ist dein persönlicher Favorit auf "Devil In
Disguise" und warum?
AU: ''Skytrain'': straight und einfach sehr gut
gelungen.
S: Gibt es auf dem neuen Album einen Song, der dir als Sänger
besonders viel abverlangt hat?
AU:
Eigentlich nicht. Die Songs müssen ja auch ''live'' singbar sein. Ich
lote meine Grenzen dann eher beim Auftritt aus. Wenn ich merke ich bin
gut drauf, dann improvisiere ich ein bisschen und gestalte die Finali
schwieriger.
S: Hat es mit dem Albumtitel eine besondere Bewandtnis auf sich?
AU: Das Album sollte eigentlich ''Waterfalls''
heißen, weil das der erste Song war, der in neuer Besetzung entstand.
Wir fanden dazu allerdings kein vernünftiges Cover. Ein Wasserfall
wirkt einfach kitschig. Da dachten wir, wieso nicht einfach ein
kompromissloses, klischeebehaftetes Cover hernehmen und den Namen des
Albums einfach danach richten. So war's dann auch.
S: Vor ein paar Jahren war auf eurer HP einmal die Rede von einem
Videoclip. Was ist eigentlich daraus geworden?
AU: Wir nahmen ein Demo mit ''Waterfalls'' auf,
um bei verscheiden Firmen anzuklopfen. Zeitgleich musste ein Bekannter
von mir mit einem Kamerateam einen Videoclip für sein
Medientechnikstudium drehen. Es bot sich an, einen Clip zu ''Waterfalls''
zu drehen. Da aber die Aufnahme des Demos ziemlich von der Endfassung,
die auf dem Album zu hören ist, abweicht, entschlossen wir uns, das
Video nicht zu veröffentlichen. Vielleicht kommt's mal auf die
Homepage.
S: Wie ist es im Hause HOTWIRE momentan um Live-Dates bestellt?
AU:
Am 24.11. in Ingolstadt im ''Paradox''. Ansonsten schauen wir, ob wir
eine Tour ergattern können.
S: Soviel ich weiß, hast du ja auch ein fertiges Solo-Album in der
Schublade. Kannst bzw. willst du uns vielleicht darüber etwas mehr
verraten?
AU:
Ich hab mit den Aufnahmen bereits vor meinem Einstieg bei HOTWIRE
angefangen. Ich hatte zehn Songs für ein Album zusammen und konnte
Richard Palmer-James (Gründungsmitglied von SUPERTRAMP und sehr
erfogreicher Songschreiber) für den Job als Produzent begeistern. Es
kamen noch einige hochkarätige
Musiker dazu, wie z. B. Dan Lucas, der die Chöre sang. Ich war mit
dem Ergebnis sehr zufrieden, aber ich wollte das Album nicht auf den
Melodic Rock Markt schmeißen, weil es dafür zu mainstreamig ist.
Andere Möglichkeiten taten sich bis jetzt leider nicht auf und so hab
ich ein paar Songs mit anderen Texten dazu verkauft (z.B. einen als
Titelsong für die REWE-Supermarktkette zum 75-jährigen Jubiläum
:-)). Aber ich denke irgendwann werd ich es schon noch
auf die Reise bringen.
S: Gibt es zum Schluss noch etwas, was du gerne loswerden möchtest?
AU: Ich hoffe, dass uns unsere alten Fans über
die Jahre treu geblieben sind und wir viele neue Fans mit unserem
Album gewinnen können. Dann gibt's auch spätestens 2018 wieder eine
neue Scheibe
andere Beiträge
über HOTWIRE
Reviews:
HOTWIRE/ Devil In Disguise
(Album Of The Month/ June 2006)
HOTWIRE/ Middle Of Nowhere
Specials:
"... jetzt schlägt's dreizehn!"
mit Andy Urbeck
"own words" mit Alex Espinosa und
Andy Urbeck ("Devil In Disguise")
mehr
Infos @ www.hotwire-rock.de
|