
Tattooed Heart - Eingebrannt ins Herz
Vor
gut zwei Jahren taten sich der Gitarrist, Songwriter und
Produzent Robby Böbel (FRONTLINE) und Ausnahmesänger
Carsten "Lizard" Schulz (DOMAIN, MIDNITE CLUB)
sowie FRONTLINE-Tieftöner Thomas "Hutch" Bauer
und SHAKRA-Schlagzeuger Roger Tanner zusammen, um unter
dem Namen EVIDENCE ONE mal kurz ein richtig kantiges Hard
Rock-Album einzuspielen. Aufgrund der überaus positiven
Reaktionen auf das Debüt "Criticize
The Truth" und der
anschließenden Tour im Vorprogramm der britischen
Metal-Legende SAXON, wuchs EVIDENCE ONE aus einem anfangs
angedachten Projekt zu einer richtig eingeschworenen
Band. Seit besagten Erstling - sprich vor der Tour mit
Biff Byford & Co - hat sich im EVIDENCE LAGER nicht
nur besetzungstechnisch etwas getan, sondern auch im
Sound der Band, wie sich unschwer am neuen Album "Tattooed
Heart" erkennen
lässt. Um mehr über die Ereignisse der letzten zwei
Jahre in Erfahrung zu bringen, haben wir Carsten
"Lizard" Schulz um ein ausführliches Gespräch
gebeten. Aber lest selbst, welche interessanten Details
wir den sympathischen Sänger entlocken konnten.S: Zu Beginn des Interviews möchte ich euch/ dir mein Kompliment zum neuen Album aussprechen. CS: Herzlichen Dank! Das tut natürlich sehr gut, da man sich eigentlich nie sicher ist, ob das man sich selbst ausgedacht hat, auch bei anderen so ankommt...! S:
Wie sind die bisherigen Reaktionen zu "Tattooed
Heart" ausgefallen?CS: Überschwänglich! Wir sind selbst etwas überrumpelt! Ich meine, irgendwie waren wir von den Reaktionen zum ersten Album schon etwas verwöhnt, aber "Tattooed Heart" wird noch besser aufgenommen. Vor allem die klassische Metal Presse scheint sehr angetan von der Platte - das beruhigt ungemein! J S: "Tattooed Heart" wird über euer neues Label Nuclear Blast veröffentlicht. Wie kam es zu dem Deal beim "Metal-Riesen"? CS: Robby und Mat Sinner hatten auf dem Wacken 2003 mit einander gesprochen, und Robby hat danach neues Material zu Nuclear Blast geschickt. Ein paar Wochen später hatten wir unseren Deal! Das war's! Außer an Blast haben wir an kein Label Material verschickt. S: Was hat sich für euch - im Vergleich zum Debüt - durch den Labelwechsel verändert? CS: Es ist ein ungemein angenehmeres Arbeiten. Nuclear Blast arbeiten doch ganz anders als wir es bisher gewohnt waren. Um ehrlich zu sein, es macht tierisch Spaß, dass man nicht ständig nachhaken oder anklopfen muss, sondern ein Label hat, dass nun selbst aktiv wird. Man kommt ständig mit neuen Ideen, das ist einfach klasse! Die Promotion ist schlicht Top! Eigentlich exakt so, wie man sich das nur wünschen kann! Außerdem öffnet uns der Name Nuclear Blast natürlich im Metal Bereich ganz neue Türen. S: Ihr habt im Frühjahr
des letzten Jahres im Vorprogramm von SAXON die
europäischen Bühnen beackert und auf ein paar namhaften
Festivals gespielt. Welche Erfahrungen habt ihr bei
diesen Events gemacht?CS: In erster Linie, dass wir auch im Metal Umfeld funktionieren und eigentlich eine Metal Band sind. Die Tournee und die Festivals haben uns geholfen, als Band zusammenzuwachsen und unseren eigenen Stil zu finden. Um ehrlich zu sein, vor der SAXON-Tour waren wir uns vollkommen unsicher, ob wir überhaupt dazu passen würden, am Ende passten wir besser als jeder andere! S: Für eure erste Tour hat es besetzungstechnisch gleich auf zwei Positionen Veränderungen gegeben. Warum ist eigentlich Roger Tanner nicht mit auf Tour gekommen und wie kam Wolfgang Schimmer (Gitarre) und Rami Ali (Drums) zur Band? CS: Für Roger stand es eigentlich nie zur Disposition, mit uns live zu spielen. Eigentlich war das ja auch kein Thema, bis das Tourangebot kam. Roger hat abgewunken, da seine ganze Konzentration auf SHAKRA liegt. Rami lag nahe, da er mit Hutch und Robby schon seit Jahren zusammen spielt - ein wahrer Glücksgriff. Schimmi (Wolfgang Schimmer) war Hutch's Idee, da sie beide seit geraumer Zeit in einer Coverband, den PROKURISTEN, zusammenspielen - Volltreffer No. 2! Exakt die Leute, die diese Band gebraucht hat. S: Haben sich die Live-Aktivitäten auch auf den Härtegrad eurer Musik ausgewirkt? Ich denke in diesem Zusammenhang besonders an das Opener-Duo "Moonsight" und "Virus In My Veins". ![]() CS: Absolut! Vor allem lag es Robby sehr am Herzen, auf der neuen Scheibe auch wirklich zu verdeutlichen, dass die Band härter geworden ist. Ich gebe zu, dass er diesbezüglich mit mir einige Kämpfe ausfechten musste, aber wenn ich mir die Scheibe nun anhöre, muss ich ihm einfach Recht geben, dass es exakt das Richtige für die Band war. Es war wichtig, zwar die Fans der ersten Scheibe nicht komplett zu vergraulen, aber EVIDENCE ONE sind 2004 nun mal eine Melodic Metal Band! S: Zum letztgenannten Song habt ihr sogar ein ziemlich aufwendiges Video gedreht. Kannst du uns ein bisschen mehr zu den Dreharbeiten verraten? CS: Der Clip wurde in Nürnberg in einer verlassenen Fabrikhalle, sowie in einem in der Nähe gelegenen Studio gedreht. Neben diversen Band-Posing-Shots geht es darum, dass ich als Insasse einer heruntergekommenen, psychiatrischen Anstalt ausbreche und von einer hübschen jungen Dame gerettet werde. Ziemlich coole Sache mit allerhand witzigen Computereffekten und schrägen Apparaturen! Ich hatte wirklich viel zu tun. Wir sind alle sehr mit dem Ergebnis zufrieden, und die Produktionsfirma Huckleberryking, die u. a. auch "Erkan & Stefan TV" gemacht haben, hat wirklich einen Bomben-Job abgeliefert. S: Ihr habt aber nicht nur härtetechnisch etwas zugelegt, sondern ihr wildert gelegentlich auch in progressiven Gefilden ("In Love And War" oder "Anything I Need To Know"). Ist das eure neue Zielrichtung? CS: Gerade diese beiden Songs
haben besonders Robby sehr am Herzen gelegen, und da ich
beispielsweise sehr auf den klassischen
QUEENSRCHE-Sound stehe, hab ich da auch gar nichts
dagegen. Robby meint immer, CDs müssen auch Farbtupfer
haben, Songs, mit denen man eigentlich nicht rechnet -
und diese beiden Songs sind die Farbtupfer. Ich würde
nicht sagen, dass diese Songs alleine die neue
Marschrichtung darstellen, aber ähnliche Tracks wird es
sicher auch in Zukunft immer mal wieder geben.S: Welche Bewandtnis hat es mit dem Albumtitel auf sich? CS: Nun ja, der stand eigentlich schon relativ früh fest. Ich fand einfach die Metapher, dass man etwas ins Herz tätowiert, quasi gebrannt bekommen hat, dass einfach unauslöschlich in einem festsitzt, sehr schön. Möglicherweise geht es ja mit einigen Songs der Scheibe auch dem einen oder anderen Fan so. S: Wie ist es diesmal um Live-Aktivitäten bestellt? Darf man diesmal vielleicht sogar mit einer Headliner-Tour rechnen? ![]() CS: Nun, das sicher noch nicht. Wir sind sicher noch nicht so weit, als Headliner zu touren. Zum einen müssten wir dann beide Platten komplett spielen, was wir nicht möchten, und zum anderen ziehen wir sicherlich noch nicht ausreichend Publikum, dass sich eine derartige rentieren würden. Wir hoffen allerdings auf einen lukrativen Supportslot, mal sehen, was kommt. Touren wollen wir auf jeden Fall! Außerdem werden wir sicher einige Festivals im kommenden Sommer spielen. S: Was erhofft ihr euch vom neuen Album und der neuen Plattenfirma? ![]() CS: Nun, uns weiter zu etablieren. EVIDENCE ONE sind kein Abfallprodukt anderer Bands mehr, sondern eine eigenständige Band mit eigenständigem Sound, die durchaus auch ihre eigenen Fans hat. Nun ja, und Nuclear Blast helfen uns sehr dabei - das ist perfekt! S: Du bist ein ziemlich vielbeschäftigter Sänger. Welche Projekte stehen im Hause Schulz in nächster Zukunft an? CS: Oh weh, wo fang ich nur an?! Im Februar erscheint das neue DOMAIN-Album "Last Days Of Utopia" bei LMP, irgendwann wird dann das zweite MIDNITE CLUB-Album "Circus Of Life" erscheinen. Daneben hab ich einige Gastauftritte bei diversen Gitarristen, wo ich aber nur einzelne Songs trällere. Nun ja, und dann begebe ich mich selbst unter die Produzenten, aber dazu wird noch nicht mehr verraten. S: Zum Abschluss hätte ich noch ein Frage, die mit gelegentlich aufkommende Gerüchten im Internet zu tun hat, in denen du als Nachfolger von Michael Bormann bei JADED HEART gehandelt wirst. Ist da ein Hauch von Wahrheit dran? CS: Kein Funke! Es stand nie zur Debatte, und es gab nie irgendwelche Gespräche diesbezüglich! Mülli, Henning & Co. sind gute Kumpels von mir, und sie werden sicherlich einen adäquaten Nachfolger finden, da bin ich mir sicher! Ich würde dafür nie zur Verfügung stehen, und das wissen sie auch. S: Carsten, ich bedanke mich für dieses Interview und wünsche euch viel Erfolg mit "Tattooed Heart". Vielleicht knackt ihr ja auch die Charts damit! CS: Naja, vielleicht mit EVIDENCE ONE Vol. III... Schön wär's! Lieben Dank auf jeden Fall!!! Na das ist doch ein vielversprechendes Schlusswort. Aber jetzt wollen wir doch erstmal aufmerksam den Klängen von "Tattooed Heart" lauschen, denn bei dieser hohen Qualität können sich die Herren um Robby Böbel und Carsten "Lizard" Schulz ruhig wieder zwei Jahre mit Nachfolger zeitlassen. Dann klappt's bestimmt auch mal mit den Charts... Qualität muss sich einfach durchsetzen.
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Thanks to Markus & Jaap @ Nuclear Blast
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Update: Sunday, 21. November 2004
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