Gut 1 ½ Jahre haben sich DOMAIN
nun Zeit gelassen, um ihr neuestes Mach(t)werk "Last
Days Of Utopia" auf ihre ständig wachsende Fangemeinde
herabzulassen. Wie bereits mit den verschiedenen Vorgänger-Alben, hat
es die Band auch diesmal wieder geschafft sich weiterzuentwickeln,
ohne dabei Verrat an den eigenen Wurzeln zu begehen. Da zu den letzten
Alben immer Sänger Carsten Schulz zu Wort gekommen ist, freut es uns,
dass wir diesmal den Ausnahme-Gitarristen und Bandkopf Axel Ritt für
ein Gespräch gewinnen konnten.
S: Zu Beginn des
Interviews möchte ich dir/ euch mein Kompliment zur neuen Scheibe
aussprechen.
AR:
Vielen Dank, es freut mich sehr dass Dir unsere künstlerische
Weiterentwicklung so gut gefällt.
S: Zwischen "Sixth
Dimension" und dem neuen Album ist bei euch wieder einmal ein
Besetzungswechsel vonstatten gegangen: Bassist Sandro LoGiudice
wurde durch Jochen Mayer ersetzt. Wie kam es zu dieser Neubesetzung?
AR:
Sandro konnte aufgrund verschiedener Verpflichtungen, welche seinen
Zeitplan stark in Mitleidenschaft gezogen hat, an den zu erwartenden
Aktivitäten zum neuen Album leider nicht mehr mitwirken. Er ist nach
wie vor ein Freund der Familie und wirkt weiterhin für die Band in
verschiedenen Business-Konstellationen intensiv mit.
S: "Last Days Of
Utopia" wird über euren neuen Partner Limb Music veröffentlicht.
Kannst du bitte mal kurz schildern wie es zu diesem Labelwechsel kam
und was ihr euch von dieser Zusammenarbeit erhofft?
AR:
LMP war von Anfang an unser
Wunschpartner für die weiterführende Zusammenarbeit. Wir hatten
mehrere Angebote von verschiedenen Companies, aber Limb’s Kompetenz
und Erfahrungswerte im Bereich des epischen Melodic Metal waren genau
die Punkte, von denen wir profitieren konnten. Wir haben im
Band-Vorfeld beschlossen, unseren eingeschlagenen Weg vom Bombast
Metal hin zum Symphonic Epic Metal im Stile von BLIND GUARDIAN und
RHAPSODY konsequent weiter zu führen und in diesem Bereich gibt es
einfach keine bessere Wahl als Limb. Zudem hatte ich von Anfang an ein
subjektiv sehr gutes Gefühl was Limb’s Persönlichkeit angeht. Wir
hatten uns nur knapp zweimal in den letzten Jahren gesehen, aber ich
habe viele Übereinstimmungen zwischen ihm und mir was „Denke“ und
„Chemie“ angeht gefunden, ein Fakt der in dieser Haifisch-Branche
wirklich extrem selten ist. Zudem haben wir eine ähnliche Art der
Kommunikation im Allgemeinen. So etwas ist eine sehr gute Basis für
eine viel versprechende Zusammenarbeit. Ein Deal funktioniert immer
nur dann, wenn beide Seiten sich wohl fühlen und ab einem bestimmten
Punkt entscheidet nur noch die persönliche Sympathie.
S: Das neue Album ist überraschenderweise
eine Konzeptscheibe. Ein derartiges Album hätte ich von DOMAIN nicht
unbedingt erwartet. Wer war die treibende Kraft hinter "Last Days
Of Utopia"?
AR:
Die Idee, bzw. die Story
stammt aus der Feder unseres Sängers Carsten. Carsten liegt mir seit
ca. 2 Jahren in den Ohren, dass er gerne ein Konzeptalbum machen möchte.
Die Geschichte dazu hätte er schon, das Ganze müsste „nur noch“
vertont werden ;-) Normalerweise stehe ich Konzeptalben immer sehr
skeptisch gegenüber, da das Vertonen einer Geschichte zuweilen
langatmige Passagen beinhaltet, die nur im konzeptionellen
Zusammenhang ein gewisses Maß an Entertainment bieten. Daher stimmte
ich der Idee nur unter der Bedingung zu, dass jeder Song für sich
alleine gesehen, stark genug ist ein Publikum zu unterhalten. Zudem
musste es bei aller songlichen und soundlichen Weiterentwicklung ein
klassisches DOMAIN-Album werden. Carsten war jedoch der gleichen
Meinung, so stand der Umsetzung seiner Idee nichts mehr im Weg.
S: Ich kann mir vorstellen, dass
so eine Geschichte eine große Herausforderung an alle Bandmitglieder
darstellt, aber welchen Einfluss hatte "Last Days Of Utopia"
auf deine Arbeitsweise im Vergleich zu einem „normalen“
Studio-Album?
AR:
Die Vorproduktion des Albums nahm dieses Mal wesentlich mehr Zeit in
Anspruch als bei einem „regulären“ Album. Durch das Ausarbeiten
der orchestralen Arrangement, dem Abgleich mit den Metal-Elementen der
Band und die Umsetzung der komplexen Chor-Arrangements ging deutlich
mehr Zeit ins Land als bei unseren bisherigen Alben. Ich habe letztens
ausgerechnet dass ich insgesamt knapp 2.000 Stunden, also ein ganzes
Jahr an dem Album gearbeitet habe. Allein das Ausarbeiten der
Partituren für das Orchester haben 3 Monate in Anspruch genommen.
S: Auf dem Album habt ihr
ja erstmals mit orchestralen Parts gearbeitet. Stammen diese Elemente
aus der Konserve oder habt ihr tatsächlich mit einem echten Orchester
zusammengearbeitet?
AR:
Die klassische Aufnahmemethode eines
Symphonie-Orchesters, bestehend aus der entsprechenden
Raummikrophonierung und einer ausreichenden Zahl an Stützmikrophonen
konnte aus Budgetgründen leider nicht realisiert werden. Die
einzelnen Parts wurden jedoch von einem echten Orchester gespielt und
von mir anschließend unter Zuhilfenahme der Studioperipherie für
unsere Einsatzzwecke optimiert.
S: Obwohl ihr noch einen
Zacken härter und epischer geworden seid, bin ich der Meinung, dass
auf der neuen Scheibe sämtliche Zutaten zum Zuge kommen, die DOMAIN
seit dem Comeback ausmachen. Wie siehst du die Sache selbst?
AR:
Das freut mich umso mehr, da wir doch ein stilistisches Risiko
eingegangen sind. Die Weiterentwicklung
der Band vom Bombast Metal hin zum Symphonic Epic Metal wurde
bisher fast ausnahmslos positiv aufgenommen, eine Tatsache mit der wir
nicht rechnen konnten. Ich dachte, wir würden die Fans und Kritiker
deutlich mehr polarisieren, aber eine so hohe Zustimmung bzgl. unserer
Entwicklung ist mehr als erfreulich. Allerdings haben wir auch darauf
geachtet, dass die typischen DOMAIN-Trademarks bzgl. Sound und
Songwriting trotz der Weiterentwicklung der Band erhalten bleiben.
Auch bei einer Erweiterung des persönlichen, künstlerischen
Horizonts darf man dennoch nicht den Fan aus den Augen verlassen.
S: Welche Songs haben dir
als Komponist, Gitarrist bzw. Produzent am meisten abverlangt?
AR:
Kompositorisch stellte sich "On Stomy Seas" als größte
Herausforderung für mich heraus. Einen harmonischen Spannungsbogen
innerhalb eines Titels über eine so lange Zeit kontinuierlich zu
halten ohne eine musikalische Stauchung aufkommen zu lassen war sehr
anstrengend. Produktionstechnisch waren die Chorarrangements von
"Endless Rain" aufgrund ihrer mannigfaltigen Gegenbewegungen
sehr schwer in ihrer Durchsichtigkeit zu bewahren. Und in Sachen
Gitarrenarbeit war das zweistimmige High-Speed-Intro von "Last
Days Of Utopia" die heftigste Soloarbeit und die Basis-Gitarre
von "Endless Rain" aufgrund ihrer Virtuosität und den
vielen „Artifical Harmonics“ die schwierigste Rhythmus-Gitarre.
Mein Lieblings-Solo aber ist das in sich sehr stimmige Solo von "Endless
Rain".
S: Zu "Endless
Rain" habt ihr erstmals seit dem Comeback ein Videoclip
aufgenommen. Kannst du uns etwas zu den Dreharbeiten erzählen?
AR: Das Video wurde in Bischheim auf einem
Aussiedlerhof gedreht. Alle Locations wie die wunderschönen antiken
Torbögen bzw. die verfallenen Kellergewölbe waren bereits vor Ort
vorhanden. Die Video-Company hat auf diesem Areal ihre
Produktionsstudios, somit hatten wir zwischen den Studio- und Außenaufnahmen
lediglich einen Fußweg von 25 Metern zu absolvieren. Eine sehr
entspannte und produktive Arbeitsweise.
S: Da ihr einen Video-Clip
gedreht habt, nehme ich an, dass ihr in die Rotation bei VIVA/ MTV
kommen wollt. Da drängt sich mir automatisch die Frage nach einer
Singleauskopplung auf: Gibt es einen Track den ihr eventuell als
Single veröffentlichen wollt?
AR:
Nein, das macht marktpolitisch keinen Sinn mehr. Der Single-Markt ist
in Deutschland bzgl. seiner Umsätze kaufmännisch zu einer reinen
Farce geworden, die ersten Länder haben bereits die Auswertung von
Single-Charts eingestellt. Die Auskopplung einer Single muss
heutzutage als Promotion-Maßnahme und „Draufleggeschäft“
gewertet werden, da nutzen wir die frei werdenden Gelder lieber für
andere banddienlichen Maßnahmen.
S: Ich glaube ja, dass ihr
mit "Last Days Of Utopia" genau euren Stil gefunden habt.
Wollt ihr diese Marschrichtung weiterverfolgen oder war das „nur“
der Schritt in die nächste Dimension?
AR:
Wir haben in der Tat bereits innerhalb der Band darüber gesprochen
wie das nächste Album ausfallen wird und sind dabei zu dem Schluss
gekommen, dass wir uns im Symphonic Epic Bereich sehr wohl fühlen.
Wir werden noch einen Tick mehr Classic Rock bzw. Classic Metal mit in
die Konzeption einfließen lassen, aber der symphonische Teil der
Kompositionen wird bleiben. Es ist für einen Komponisten wie mich
einfach zu reizvoll, wenn man die kompositorischen Ausdrucksmöglichkeiten
betrachtet.
S: Das Vorgänger-Album
habt ihr ja leider nicht betourt, wie sieht es diesbezüglich mit
"Last Days Of Utopia" aus?
AR:
Ja, es geht endlich wieder los.
Wir gehen Ende April mit unseren Vertriebskollegen von MOB RULES auf
Co-Headliner-Europatour. Es ist in der Tat viel zuviel Zeit vergangen
seit dem wir „On The Road“ waren und wir freuen uns sehr auf die
Tour.
S: Euer Sänger Carsten
Schulz ist in live-technischer Hinsicht auch bei EVIDENCE ONE
ordentlich aktiv. Tun sich da gelegentlich terminliche Schwierigkeiten
auf?
AR:
Nein. Da nahezu alle
Live-Termine ca. 6 Monate im Voraus fest stehen, kann man seinen
Terminplan entsprechend rechtzeitig koordinieren. Außerdem reden wir
hier von max. 20 Tagen, die wir zwischen DOMAIN und Carstens
Solo-Projekt über das Jahr hinweg absprechen müssen, nicht wirklich
ein logistisches Problem.
S: Die limitierte Erstauflage
erscheint in Form einer Doppel-CD. Kannst du ein bisschen mehr zu
dieser Bonus-Scheibe erzählen?
AR:
Da haben wir wirklich etwas ganz besonders Edles am Start. Der Fan
kann wählen ob er die Standard-Ausführung im Jewel-Case oder die auf
weltweit 4.000 Einheiten limitierte 2-CD-Sonderedition mit zusätzlichem
Video-Clip der Single "Endless Rain", 2 Bonustracks, 3
Non-Epic Remixes, Poster, Aufkleber, Wallpapers, Winamp-Skins und
Personal Liner Notes haben möchte. Ich war dermaßen stolz, als ich
diese Edition in Händen hielt, es war wirklich großartig.
S: Axel, ich bedanke
mich recht herzlich für dieses Interview und wünsche euch viel
Erfolg mit "Last Days Of Utopia".
andere Beiträge über
DOMAIN
Reviews:
DOMAIN/ Last
Days Of Utopia (Album Of The Month/ February 2005)
DOMAIN/ The
Sixth Dimension
DOMAIN/ The
Artefact
DOMAIN/ New
Horizons (Acoustic EP)
DOMAIN/ One
Million Lightyears From Home
Specials:
"... jetzt schlägt's dreizehn!" mit Axel
Ritt
"Own
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Interviews:
DOMAIN ...
Auf
dem Weg in die nächste Dimension... Sänger Carsten Schulz plaudert übers
neue Album
(2003)
DOMAIN
... Discover
The Artefact mit
Carsten Schulz (vox) (2002)
weitere Informationen unter www.domainband.de
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