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02/ 2005


AUF SYMPHONIC EPIC METAL-PFADEN


DOMAIN - (von links nach rechts) Jochen Mayer, Axel Ritt, Erdmann Lange, Stefan Köllner, Carsten SchulzGut 1 ½ Jahre haben sich DOMAIN nun Zeit gelassen, um ihr neuestes Mach(t)werk "Last Days Of Utopia" auf ihre ständig wachsende Fangemeinde herabzulassen. Wie bereits mit den verschiedenen Vorgänger-Alben, hat es die Band auch diesmal wieder geschafft sich weiterzuentwickeln, ohne dabei Verrat an den eigenen Wurzeln zu begehen. Da zu den letzten Alben immer Sänger Carsten Schulz zu Wort gekommen ist, freut es uns, dass wir diesmal den Ausnahme-Gitarristen und Bandkopf Axel Ritt für ein Gespräch gewinnen konnten.

S: Zu Beginn des Interviews möchte ich dir/ euch mein Kompliment zur neuen Scheibe aussprechen.

AR: Vielen Dank, es freut mich sehr dass Dir unsere künstlerische Weiterentwicklung so gut gefällt.

S: Zwischen "Sixth Dimension" und dem neuen Album ist bei euch wieder einmal ein Besetzungswechsel vonstatten gegangen: Bassist Sandro LoGiudice wurde durch Jochen Mayer ersetzt. Wie kam es zu dieser Neubesetzung?

AR: Sandro konnte aufgrund verschiedener Verpflichtungen, welche seinen Zeitplan stark in Mitleidenschaft gezogen hat, an den zu erwartenden Aktivitäten zum neuen Album leider nicht mehr mitwirken. Er ist nach wie vor ein Freund der Familie und wirkt weiterhin für die Band in verschiedenen Business-Konstellationen intensiv mit.

S: "Last Days Of Utopia" wird über euren neuen Partner Limb Music veröffentlicht. Kannst du bitte mal kurz schildern wie es zu diesem Labelwechsel kam und was ihr euch von dieser Zusammenarbeit erhofft?

AR: LMP war von Anfang an unser Wunschpartner für die weiterführende Zusammenarbeit. Wir hatten mehrere Angebote von verschiedenen Companies, aber Limb’s Kompetenz und Erfahrungswerte im Bereich des epischen Melodic Metal waren genau die Punkte, von denen wir profitieren konnten. Wir haben im Band-Vorfeld beschlossen, unseren eingeschlagenen Weg vom Bombast Metal hin zum Symphonic Epic Metal im Stile von BLIND GUARDIAN und RHAPSODY konsequent weiter zu führen und in diesem Bereich gibt es einfach keine bessere Wahl als Limb. Zudem hatte ich von Anfang an ein subjektiv sehr gutes Gefühl was Limb’s Persönlichkeit angeht. Wir hatten uns nur knapp zweimal in den letzten Jahren gesehen, aber ich habe viele Übereinstimmungen zwischen ihm und mir was „Denke“ und „Chemie“ angeht gefunden, ein Fakt der in dieser Haifisch-Branche wirklich extrem selten ist. Zudem haben wir eine ähnliche Art der Kommunikation im Allgemeinen. So etwas ist eine sehr gute Basis für eine viel versprechende Zusammenarbeit. Ein Deal funktioniert immer nur dann, wenn beide Seiten sich wohl fühlen und ab einem bestimmten Punkt entscheidet nur noch die persönliche Sympathie.

S: Das neue Album ist überraschenderweise eine Konzeptscheibe. Ein derartiges Album hätte ich von DOMAIN nicht unbedingt erwartet. Wer war die treibende Kraft hinter "Last Days Of Utopia"?

AR: Die Idee, bzw. die Story stammt aus der Feder unseres Sängers Carsten. Carsten liegt mir seit ca. 2 Jahren in den Ohren, dass er gerne ein Konzeptalbum machen möchte. Die Geschichte dazu hätte er schon, das Ganze müsste „nur noch“ vertont werden ;-) Normalerweise stehe ich Konzeptalben immer sehr skeptisch gegenüber, da das Vertonen einer Geschichte zuweilen langatmige Passagen beinhaltet, die nur im konzeptionellen Zusammenhang ein gewisses Maß an Entertainment bieten. Daher stimmte ich der Idee nur unter der Bedingung zu, dass jeder Song für sich alleine gesehen, stark genug ist ein Publikum zu unterhalten. Zudem musste es bei aller songlichen und soundlichen Weiterentwicklung ein klassisches DOMAIN-Album werden. Carsten war jedoch der gleichen Meinung, so stand der Umsetzung seiner Idee nichts mehr im Weg.

S: Ich kann mir vorstellen, dass so eine Geschichte eine große Herausforderung an alle Bandmitglieder darstellt, aber welchen Einfluss hatte "Last Days Of Utopia" auf deine Arbeitsweise im Vergleich zu einem „normalen“ Studio-Album?

AR: Die Vorproduktion des Albums nahm dieses Mal wesentlich mehr Zeit in Anspruch als bei einem „regulären“ Album. Durch das Ausarbeiten der orchestralen Arrangement, dem Abgleich mit den Metal-Elementen der Band und die Umsetzung der komplexen Chor-Arrangements ging deutlich mehr Zeit ins Land als bei unseren bisherigen Alben. Ich habe letztens ausgerechnet dass ich insgesamt knapp 2.000 Stunden, also ein ganzes Jahr an dem Album gearbeitet habe. Allein das Ausarbeiten der Partituren für das Orchester haben 3 Monate in Anspruch genommen.

S: Auf dem Album habt ihr ja erstmals mit orchestralen Parts gearbeitet. Stammen diese Elemente aus der Konserve oder habt ihr tatsächlich mit einem echten Orchester zusammengearbeitet?

AR: Die klassische Aufnahmemethode eines Symphonie-Orchesters, bestehend aus der entsprechenden Raummikrophonierung und einer ausreichenden Zahl an Stützmikrophonen konnte aus Budgetgründen leider nicht realisiert werden. Die einzelnen Parts wurden jedoch von einem echten Orchester gespielt und von mir anschließend unter Zuhilfenahme der Studioperipherie für unsere Einsatzzwecke optimiert.

S: Obwohl ihr noch einen Zacken härter und epischer geworden seid, bin ich der Meinung, dass auf der neuen Scheibe sämtliche Zutaten zum Zuge kommen, die DOMAIN seit dem Comeback ausmachen. Wie siehst du die Sache selbst?

AR: Das freut mich umso mehr, da wir doch ein stilistisches Risiko eingegangen sind. Die Weiterentwicklung  der Band vom Bombast Metal hin zum Symphonic Epic Metal wurde bisher fast ausnahmslos positiv aufgenommen, eine Tatsache mit der wir nicht rechnen konnten. Ich dachte, wir würden die Fans und Kritiker deutlich mehr polarisieren, aber eine so hohe Zustimmung bzgl. unserer Entwicklung ist mehr als erfreulich. Allerdings haben wir auch darauf geachtet, dass die typischen DOMAIN-Trademarks bzgl. Sound und Songwriting trotz der Weiterentwicklung der Band erhalten bleiben. Auch bei einer Erweiterung des persönlichen, künstlerischen Horizonts darf man dennoch nicht den Fan aus den Augen verlassen.

S: Welche Songs haben dir als Komponist, Gitarrist bzw. Produzent am meisten abverlangt?

AR: Kompositorisch stellte sich "On Stomy Seas" als größte Herausforderung für mich heraus. Einen harmonischen Spannungsbogen innerhalb eines Titels über eine so lange Zeit kontinuierlich zu halten ohne eine musikalische Stauchung aufkommen zu lassen war sehr anstrengend. Produktionstechnisch waren die Chorarrangements von "Endless Rain" aufgrund ihrer mannigfaltigen Gegenbewegungen sehr schwer in ihrer Durchsichtigkeit zu bewahren. Und in Sachen Gitarrenarbeit war das zweistimmige High-Speed-Intro von "Last Days Of Utopia" die heftigste Soloarbeit und die Basis-Gitarre von "Endless Rain" aufgrund ihrer Virtuosität und den vielen „Artifical Harmonics“ die schwierigste Rhythmus-Gitarre. Mein Lieblings-Solo aber ist das in sich sehr stimmige Solo von "Endless Rain".

S: Zu "Endless Rain" habt ihr erstmals seit dem Comeback ein Videoclip aufgenommen. Kannst du uns etwas zu den Dreharbeiten erzählen?

AR: Das Video wurde in Bischheim auf einem Aussiedlerhof gedreht. Alle Locations wie die wunderschönen antiken Torbögen bzw. die verfallenen Kellergewölbe waren bereits vor Ort vorhanden. Die Video-Company hat auf diesem Areal ihre Produktionsstudios, somit hatten wir zwischen den Studio- und Außenaufnahmen lediglich einen Fußweg von 25 Metern zu absolvieren. Eine sehr entspannte und produktive Arbeitsweise.

S: Da ihr einen Video-Clip gedreht habt, nehme ich an, dass ihr in die Rotation bei VIVA/ MTV kommen wollt. Da drängt sich mir automatisch die Frage nach einer Singleauskopplung auf: Gibt es einen Track den ihr eventuell als Single veröffentlichen wollt?

AR: Nein, das macht marktpolitisch keinen Sinn mehr. Der Single-Markt ist in Deutschland bzgl. seiner Umsätze kaufmännisch zu einer reinen Farce geworden, die ersten Länder haben bereits die Auswertung von Single-Charts eingestellt. Die Auskopplung einer Single muss heutzutage als Promotion-Maßnahme und „Draufleggeschäft“ gewertet werden, da nutzen wir die frei werdenden Gelder lieber für andere banddienlichen Maßnahmen.

S: Ich glaube ja, dass ihr mit "Last Days Of Utopia" genau euren Stil gefunden habt. Wollt ihr diese Marschrichtung weiterverfolgen oder war das „nur“ der Schritt in die nächste Dimension?

AR: Wir haben in der Tat bereits innerhalb der Band darüber gesprochen wie das nächste Album ausfallen wird und sind dabei zu dem Schluss gekommen, dass wir uns im Symphonic Epic Bereich sehr wohl fühlen. Wir werden noch einen Tick mehr Classic Rock bzw. Classic Metal mit in die Konzeption einfließen lassen, aber der symphonische Teil der Kompositionen wird bleiben. Es ist für einen Komponisten wie mich einfach zu reizvoll, wenn man die kompositorischen Ausdrucksmöglichkeiten betrachtet.

S: Das Vorgänger-Album habt ihr ja leider nicht betourt, wie sieht es diesbezüglich mit "Last Days Of Utopia" aus?

AR: Ja, es geht endlich wieder los. Wir gehen Ende April mit unseren Vertriebskollegen von MOB RULES auf Co-Headliner-Europatour. Es ist in der Tat viel zuviel Zeit vergangen seit dem wir „On The Road“ waren und wir freuen uns sehr auf die Tour.

S: Euer Sänger Carsten Schulz ist in live-technischer Hinsicht auch bei EVIDENCE ONE ordentlich aktiv. Tun sich da gelegentlich terminliche Schwierigkeiten auf?

AR: Nein. Da nahezu alle Live-Termine ca. 6 Monate im Voraus fest stehen, kann man seinen Terminplan entsprechend rechtzeitig koordinieren. Außerdem reden wir hier von max. 20 Tagen, die wir zwischen DOMAIN und Carstens Solo-Projekt über das Jahr hinweg absprechen müssen, nicht wirklich ein logistisches Problem.

S: Die limitierte Erstauflage erscheint in Form einer Doppel-CD. Kannst du ein bisschen mehr zu dieser Bonus-Scheibe erzählen?

AR: Da haben wir wirklich etwas ganz besonders Edles am Start. Der Fan kann wählen ob er die Standard-Ausführung im Jewel-Case oder die auf weltweit 4.000 Einheiten limitierte 2-CD-Sonderedition mit zusätzlichem Video-Clip der Single "Endless Rain", 2 Bonustracks, 3 Non-Epic Remixes, Poster, Aufkleber, Wallpapers, Winamp-Skins und Personal Liner Notes haben möchte. Ich war dermaßen stolz, als ich diese Edition in Händen hielt, es war wirklich großartig.

S: Axel, ich bedanke mich recht herzlich für dieses Interview und wünsche euch viel Erfolg mit "Last Days Of Utopia".


1. Harbour Of Hope

2. A New Beginning
3. On Stormy Seas
 4. The Shores Of Utopia
5. Ocean Paradise
6. The Beauty Of Love
7. The Great Rebellion
8. Endless Rain
9. Last Days Of Utopia
10. Underneath The Blue
11. Left Alone

limited edition (bonus cd)
1. Head Above The Water
2. Caught In The Flame
3. A New Beginning (Non Epic Version)
4. Endless Rain (Non Epic Version)
5. Left Alone (Non Epic Version)
6. Endless Rain (Video Clip)

"The Sixth Dimension" (2005/ Limb Music/ SPV)

DISKOGRAFIE:

KINGDOM:
"Lost In The City" (1987)

DOMAIN:
"Our Kingdom" (1988)
"Before The Strom" (1989)
"Crack In The Wall" (1991)
"Collection 86 - 92" (1992)
"Collection 86 - 92" (1999)
"One Million Lightyears From Home" (2001)
"New Horizons" (EP/ 2001)
"The Artefact" (2002)
"The Sixth Dimension" (2003)
"Last Days Of Utopia" (2005)

andere Beiträge über DOMAIN
Reviews:
DOMAIN/ Last Days Of Utopia (Album Of The Month/ February 2005)
DOMAIN/
The Sixth Dimension
DOMAIN/ The Artefact
DOMAIN/
New Horizons (Acoustic EP)
DOMAIN/
One Million Lightyears From Home

Specials:
"... jetzt schlägt's dreizehn!"
mit Axel Ritt
"Own Words" mit Axel Ritt und Carsten Schulz ("Last Days Of Utopia")

Interviews:DOMAIN/ Last Days Of Utopia
DOMAIN ... Auf dem Weg in die nächste Dimension... Sänger Carsten Schulz plaudert übers neue Album (2003)

DOMAIN ... Discover The Artefact mit Carsten Schulz (vox) (2002)

weitere Informationen unter www.domainband.de

Sonny

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Last Update: Sunday, 13. February 2005
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