
AUF
DEM WEG IN EINE NEUE DIMENSION
Seit ihrem
Comeback "One Million Lightyears From Home"
(2001) erfreuen uns DOMAIN mit jährlicher
Regelmäßigkeit mit einem neuen Album und einer
dazugehörigen Tour. Dieser Tage ist es mal wieder
soweit, der neue Longplayer "The Sixth
Dimension" kommt in die Läden. Nachdem ich im
letzten Jahr das Vergnügen hatte mit Gitarrist Axel Ritt
zu plaudern, stand mir diesmal Sänger Carsten Schulz
Rede und Antwort. S:
Im Herbst des letzten Jahres habt ihr gemeinsam mit dem
HUGHES TURNER PROJECT das europäische Ausland beackert.
Was war dein schönstes Erlebnis während dieser Tour?CS: Um ehrlich zu sein, die gesamte Tour war 'mein schönstes Erlebnis'. Wenn du das einmalige Glück hast, mit deinen echten Vorbildern unterwegs zu sein, dann prägt dich das für den Rest deines Lebens! Wenn du nach Einzelheiten fragst, dann sind es eigentlich zwei Begebenheiten: Zum einen begann JOE LYNN TURNER irgendwann, sich bei uns als "the mighty DOMAIN" zu bedanken. Das fanden wir alle unglaublich stark! Es zeigte uns doch, dass ihm die Vorgruppen nicht völlig egal waren. Gerade zu ihm war das Verhältnis unheimlich kollegial. Die andere, sehr persönlich Sache war, dass mich Jokke Svalberg, der Keyboarder von HTP irgendwann bei Seite genommen hat, und mir erzählt hat, dass GLENN am Abend davor gefragt habe, welcher Sänger da gerade am Trällern sei? Er habe einige wirklich erstaunliche Variatione drauf - Balsam für die Sängerseele! Als ich seinerzeit meine ersten Gesangsstunden hatte, brachte ich meinem Lehrer einige CDs mit Sängern mit, die ich großartig finde. Mit dabei waren YNGWIE MALMSTEENs "Odyssey" mit JOE LYNN TURNER, sowie die erste PHENOMENA mit GLENN HUGHES. Du kannst dir in etwa vorstellen, was diese Tour für mich bedeutet hat. S: Nach eurem letzten Release haben Bassist Dirk Beckers und Schlagzeuger Edgar Schmidt die Band verlassen. Wie kam es zu diesen Splits? CS: Nun, mit Dirk hatten wir streng
genommen schon immer Probleme. Eigentlich kann man ihm
das noch nicht einmal vorwerfen, denn er war seinerzeit
bei DOMAIN nur als Übergangslösung und aus Freundschaft
zu Axel eingestiegen. Daraus wurde dann aber etwas
Dauerhaftes. Dirks Einstellung allerdings war immer
problematisch. Er hatte sich nie wirklich zur Band
zugehörig gefühlt, und es wurde ihm immer
gleichgültiger, was aus DOMAIN wurde. Als es dann
letztlich an die HTP-Tour ging, die immerhin fünf Wochen
dauerte, fragte er uns lakonisch, was denn so etwas
bringen sollte?! Wir waren fassungslos! Da Dirks
exzessiver Alkoholgenuss ebenfalls nicht immer einfach
für uns war, war nach einigen Diskussionen über die
erste Europatour der Band für uns klar, dass es mit ihm
nicht weiter gehen konnte. Wir haben in rausgeworfen.
Glücklicherweise fanden wir in Henner Jochim (ONKEL TOM)
einen mehr als anständigen Ersatz für die Tour. Henner
wollte zwar nie wirklich bei uns einsteigen, aber wir
haben mit ihm einen echten Freund gewonnen. Edgars
Ausstieg allerdings war etwas anderes. Edgar stieg
während der Aufnahmen zu 'The Sixth Dimension' aus, da
er einfach einen anderen musikalischen Weg gehen wollte.
Er hat uns dass immer mal wieder 'angedroht', aber er
fand wohl, dass er uns so am wenigsten Schaden konnte,
wenn wir die neue Scheibe dann wenigstens mit einer neuen
Mannschaft durchziehen konnten. Eine ausgesprochen faire
Geste. Wir haben danach mit ihm noch zwei Abschiedsshows
gespielt, die am Schluss wirklich sentimental verliefen.
Es gab kein böses Blut, das war uns sehr wichtig.S: Mit Sandro LoGuidice (Bass) und Stefan Köllner (Schlagzeug) habt ihr ziemlich schnell die geeigneten Nachfolger gefunden. Kannst du uns über die beiden Neuzugänge etwas mehr erzählen? CS: Sandro war bereits als Ersatz-Basser für Dirk für die HTP-Tour im Gespräch, konnte aber aufgrund einiger Verpflichtungen mit CIRCLE OF PAIN nicht mitfahren. Nach der Tour hat er sich dann überraschend bei uns gemeldet, ob wir noch immer einen neuen Tieftöner brauchen würden? Die Begeisterung war groß! Ich kenne Sandro schon seit einigen Jahren und wollte schon immer einmal mit ihm zusammenarbeiten. Er ist die ideale Besetzung für DOMAIN. Sein Engagement und seine Einstellung zur Arbeit sind einfach unheimlich inspirierend. Stefan hatte sich gemeldet, nachdem wir die Drummer-Stelle ausgeschrieben haben. Weißt du, uns ist es sehr wichtig, dass die Chemie stimmt, und bereits beim
ersten Treffen mit ihm war klar, dass er der richtige
Mann für den Posten ist. Er ist ein unheimlich positiver
Mensch, der darüber hinaus auch noch einige Erfahrung
mitbringt. Wir hatten auch bewusst nach einem Drummer
gesucht, dessen Roots etwas härter sind, da wir das neue
Album auch heavier angelegt hatten.S: Konnten sich die beiden Neuzugänge schon ins Songwriting mit einbringen oder haben Axel und du die Songs wieder im Alleingang geschrieben? CS: Einen Teil der Tracks hat Sandro aktiv mitgeschrieben, wohingegen Stefan leider zu spät kam ;-) Es ist übrigens bei dieser Scheibe zum ersten Mal so, dass Axel nicht mehr alle Songs im Alleingang geschrieben hat. Natürlich ist er nach wie vor der (musikalische) Kopf der Band, aber einige Songs wurden klassisch von der Band im Proberaum erarbeitet. Ich konnte beispielsweise auch selbst weitaus mehr als vorher, meine eigenen musikalischen Ideen einbringen. Eine völlig ungewohnte Arbeitsweise, die aber sehr gut funktioniert hat. S: Mir kommt es vor, als würde sich der Härtegrad eurer Musik mit jedem neuen Album steigern. Manchmal würde ich sogar den Vergleich zu den früheren HELLOWEEN-Sachen ziehen. Wie siehst du diese Entwicklung selbst? CS: Ich sehe das ähnlich. Um ehrlich zu sein, bin ich mit dieser Scheibe endlich dort, wo ich mit DOMAIN immer hinwollte. Während das "One Million... "-Album noch eine Hommage an frühere Zeiten war, haben wir auf "The Artefact" bereits begonnen, sozusagen uns selbst zu suchen. Als Axel und ich uns die ersten Gedanken dann zur neuen Scheibe machten, waren wir uns einig, dass uns beiden vor allem die härteren Tracks auf 'The Artefact' zusagen. Das war, was wir weiter machen wollten. "The Sixth Dimension" ist die konsequente Fortsetzung der Scheibe davor! Stellenweise schon fast Power Metal, aber immer bombastisch und melodisch. Ich wollte mit DOMAIN immer irgendwohin zwischen HELLOWEEN und EUROPE, wenn du uns nun also mit HELLOWEEN vergleichst, dann haben wir's doch schon mal fast
geschafft.S: Trotz aller Härte habt ihr sehr viel Wert auf schöne Melodien und Facettenreichtum gelegt. Auf der neuen Scheibe ist von der einfühlsamen Ballade ("One Perfect Momenten") über klassischen Hard Rock ("Young Hearts Can Fly") bis hin zum energiegeladenen Melodic Metal ("Warpath") alles enthalten. Mit welcher Musikrichtung fühlst du dich am stärksten verbunden? CS: Schwer zu sagen. Man hat uns auf "The Artefact" vorgeworfen, die Scheibe sei zu abwechslungsreich - so was soll's also auch geben... ;-) mit der neuen wollten wir eben zeigen, dass sich Härte und Melodie nicht ausschließen müssen. Ich denke es ist die Mischung, die DOMAIN zu dem macht, was die Band 2003 ist. Man hört die Vergangenheit, aber man trauert ihr nicht nach. Mir persönlich macht das alles Spaß, ich stehe auf Metal Songs, wie "'Warpath" und klassischen Melodic Rock, wie "Young Hearts Can Fly" - solange ich es gesanglich einigermaßen glaubwürdig rüberbringen kann und es mir Spaß macht, stehe ich auf alles! S: Mit "King's Tears" habt ihr erneut eine Mitsing-Hymne in klassischer DOMAIN-Manier am Start. Was bewegt euch auf jedes Album einen derartigen Song draufzupacken? CS: Das Witzige ist, dass wir immer wieder hören, es sei "typisch DOMAIN", wir es aber eigentlich so nicht wirklich empfinden. "King's Tears" ist der Nachfolger zu "Mystery Stone" der letzten Scheibe. Damals wollte Axel ein weiteres Mal seinem Vorbild GARY MOORE huldigen, der diesen Stil bedauerlicherweise ja heute nicht mehr spielt. Wir alle haben uns mit der Nummer unheimlich wohl gefühlt, die Aufnahmen, bierselig vor Mikro grölend vereint, waren ein echter Spaß. Also musste so etwas wieder drauf, aber eben etwas heavier. Um deine Frage zu beantworten: Weil's unheimlich Spaß macht, und wir drauf stehen! "King's Tears" ist einer meiner Faves auf der Scheibe. S: Von "The Sixth
Dimension" wird es auch eine limitierte Edition
geben. Kannst du uns ein bisschen mehr über diese
Erstauflage erzählen?CS: Wir wollten unseren treuesten Fans, die uns nun schon seit Monaten über die Scheibe ausfragen, einfach etwas mehr bieten. Zuerst sollte lediglich ein Bonus Track mit drauf. Das AEROSMITH-Cover "Rats In The Cellar" bot sich an, da wir alle auf die Version stehen, sie aber nie wirklich veröffentlich wurde. Wir hatten sie seinerzeit für ein Tribute-Album aufgenommen, was aber ärgerlicherweise nie erschienen ist. Das Video zu "Charade", was ebenfalls auf der limited edition von 'The Sixth Dimension' drauf ist, ist während er HTP-Tour entstanden, und wurde übrigens von meinem Bruder geschnitten. S: Wie ist es um Live-Aktivitäten bestellt? Werdet ihr "The Sixth Dimension" betouren? CS: Dieses Jahr wohl leider nicht! Das ist ein sehr ärgerliches Thema, denn eigentlich war die Planung einer Co-Headliner Tour, wie wir es seinerzeit mit SHAKRA gemacht hatten, bereits im voll im Gange, als es wohl zu Querelen bei der anderen Band kam und diese kurzerhand wieder alles über Bord geworfen haben. So spielen wir dann jetzt erst Mal einige kleinere Einzelshows und arbeiten an einer möglichen Tour fürs kommende Frühjahr. S: Hast du einen Wunsch, den du dir in musikalischer Hinsicht unbedingt noch verwirklichen willst? CS: Frag mich doch so etwas nicht! Hunderte! Es gibt so viele Musiker, mit denen ich unheimlich gerne einmal zusammenspielen würde, Shows, die ich mit DOMAIN gerne spielen würde, aber ich bin inzwischen sehr geduldig geworden. Alles eine Frage der Zeit. Ich denke, dass das meiste im Leben vorbestimmt ist, und von daher werde ich bestimmt auch mal mit YNGWIE eine Platte aufnehmen... haha!! Soviel zum Thema, musikalische Wünsche. ;-) S: Zwischen den beiden
DOMAIN-Alben hast du das EVIDENCE ONE-Debüt eingespielt
und bist mit beiden Bands kräftig getourt. In den
nächsten Wochen kommt auch noch der Erstling von MIDNITE
CLUB in die Läden, bei dem du nicht nur die Vocals
beigesteuert hast, sondern auch für die Texte
verantwortlich warst. Wie bringst du all diese
Aktivitäten unter einen Hut?CS: Das ist gar nicht so schwierig wie sich das vielleicht anhört. Ich bin in der glücklichen Lage, als Profi arbeiten zu können. Außerdem gibt es Zeitpläne. DOMAIN beispielsweise haben einen recht konsequenten Zeitplan, was neue Alben angeht. Ich weiß also, wann ich Zeit habe, und wann nicht. Natürlich kannst du nicht alles planen, aber bisher klappt es ganz gut. S: Zur Zeit werden wir förmlich von Formaten wie DSDS oder Starsearch überschüttet. Was hältst du als Sänger von derartigen Shows? CS: Naja, das eigentlich erschreckende ist ja, dass es offenbar einen Markt dafür gibt. Die Verkaufszahlen sind wieder vergleichbar denen, wie sie Ende der Achtziger waren. Das bedeutet, bringt man den Menschen Musik nahe, dann kaufen sie diese auch. Ich bin mir sicher, dass gerade auch im Melodic Rock Bereich um einiges mehr verkauft würde, würden die ausschlaggebenden Medien diese Musik nicht konsequent boykottieren und ignorieren. Was die gesanglichen Fertigkeiten der Teilnehmer angeht, naja, die sind ausgesprochen unterschiedlich. Eine Juliette Schoppmann beispielsweise ist eine beindruckende Sängerin, die verdient im Rampenlicht steht, weshalb allerdings ein Daniel Kübelböck, dessen sexuelle Ausrichtung zwischen präpubertär und Laubfrosch hin und her wackelt, ein Vorbild für die Jugend sein soll...? Ich kann's mir nicht ansehen. Es gibt sehr gute und sehr schlechte - wie in jeder Musik! S: Gibt es eine Sache, die du unbedingt noch loswerden willst? CS: Ich möchte mich bei all den Fans bedanken, die uns immer wieder wirklich unheimlich aufmunternde und liebenswerte Briefe und Mails schreiben. Für viele sind wir ein Teil der Familie, und ich hoffe, wir können das auch mit der neuen Scheibe noch bleiben. Auszüge aus diesem Interview findet ihr auch in der 18. Ausgabe des Rock It!
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Update: Sunday, 28. September 2003
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