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06/ 2005


JEDER HAT SEINEN EIGENEN CHARAKTER


BISS - (von links nach rechts) Marc Storace, Ralf "Doc" Heyne
Die unterbewertete Band um den deutschen Gitarristen Ralf "Doc" Heyne ist wahrscheinlich eher durch ihre prominenten Sänger aufgefallen, als durch ihre bisherigen Veröffentlichung. Für das selbstbetitelte Debüt konnte man den ex-VICTORY-Sänger und Egozentriker Fernando Garcia gewinnen, während der etwas stärkere Nachfolger von ex-JADED HEART-Goldkelchen Michael Bormann eingesungen wurde. Für das dritte Album "Face Off", das einem wahren Meisterwerk gleichkommt,  konnte man nun keinen geringeren als KROKUS-Frontikone Mark Storace für dem Job am Mikro begeistern. Kein Wunder, dass das aktuelle Werk von uns mit dem "Album Of The Month"-Federn für den Wonnemonat Mai geschmückt worden ist. Deshalb haben wir den Gitarristen natürlich zu einem Plauderstündchen gebeten, bei dem Herr Heyne sich sehr auskunftsfreudig gezeigt hat. 

S: Ganz zu Beginn möchte ich dir mein Kompliment zum neuen Album aussprechen. Meines Erachtens ist "Face Off" das bisher beste, härteste und eingängigste BISS-Album. Wie siehst du die neue Scheibe im Vergleich zu den beiden Vorgängern?

 

RH: Erstmal vielen Dank für das Kompliment. Ich denke, man selbst findet immer das aktuelle Werk am besten und ausgereiftesten, ganz einfach weil es den letzten Stand der eigenen Entwicklung zeigt. Trotzdem darf man nicht aus den Augen lassen, dass dies ja auch genauso für die anderen Alben zu deren Erscheinungstermin gegolten hat. Vor dem Hintergrund schätze ich die ersten beiden CDs nach wie vor, zumal sie ja auch die Zusammenarbeit mit einigen Rockgrößen dokumentieren.

 

S: Mit BISS hast du nun schon drei Alben veröffentlicht und jedes davon mit einem anderen Sänger. War das eine Vorgehensweise, die von vornherein geplant war oder hat sich der ständige Wechsel am Mikrofon einfach so ergeben?


RH: Das war keineswegs so geplant. Unter anderen Umständen wäre Fernando immer noch dabei... jedenfalls von meiner Seite aus... Ähnlich ist es mit Michael Bormann, dort gab es keinen Stress oder so. Während der Produktion dachten wir nur, ein etwas härterer Sänger würde besser zum Gesamtsound passen, aber sicherlich wäre das dritte Ding auch mit Michael gut geworden.

S: Für
"Face Off" hast du nun den KROKUS-Sänger Marc Storace gewinnen können. Wie kam der Kontakt zustande?

RH: Wie gesagt, ein härterer Sänger kristallisierte sich als optimal heraus. Da ich Marc zufällig einige Zeit vorher kennengelernt hatte, lag es natürlich nahe ihn zu fragen. Er ist eh einer meiner „alltime-favourite“-Sänger, insofern war der Schritt nicht groß. Er hörte sich die Demos an und hat sofort begeistert zugestimmt.

S: War Marc eigentlich von Anfang als Sänger für "Face Off" geplant oder standen noch andere Namen im Raum?

RH: Als wir uns für die etwas härtere Gangart entschieden, hatten wir noch einige andere Namen in petto, falls Marc das Material nicht gefallen sollte... Mike Matijevic (STEELHEART) etwa. Aber die Alternativen kamen gar nicht erst zum Tragen, da Marc eh Priorität Nummer 1 war.

S: In wieweit war Marc im Songwriting-Prozess zum neuen Album involviert?

RH: Zunächst gingen wir so vor wie immer- sämtliche Melodien incl. Texten und Chören sind bereits bei Erscheinen des Sängers fertig, so dass dieser nur noch entspannt seinen Charakter einzubringen braucht und sich voll auf den Ausdruck konzentrieren kann, ohne noch mit der grundsätzlichen Erarbeitung beschäftigt zu sein. Als Marc dann im Studio war und die Arbeit schnell und effektiv voranschritt, seine Stimme facetten- und abwechslungsreich überkam, dachten wir, es könnte mal ein Versuch wert sein, ihn komplett allein arbeiten zu lassen. So komponierte er eigenständig die Melodien und Texte zu 2 Songs und das Ergebnis war so überzeugend, dass wir es komplett übernommen haben.

S: Als ich "Face Off" zum erstenmal im Schacht hatte, war ich total platt von Marcs Gesangsstil, denn er erinnert überraschend selten an KROKUS. Wie ist deine Meinung dazu?

RH: Es war Produktionsziel keine KROKUS-Platte zu machen. Marc sah das genauso und so haben wir ihn soviel wie möglich "atmen" lassen. Alle Nuancen seiner wirklich unglaublichen Stimme zu erfassen um auch ihm die Chance zu geben, zu zeigen, was er sonst noch alles in petto hat... und das ist eine Menge!

S: Du hattest nun schon das „Glück“ mit drei sehr namhaften Sängern aus dem Hard Rock-Business zusammenzuarbeiten. Welche Erfahrungen hast du sowohl musikalisch als auch zwischenmenschlich mit den einzelnen Herrschaften gemacht?

RH: Jeder hat seinen eigenen Charakter, sonst wären sie auch niemals so bekannt geworden. Und natürlich hat jeder seine spezielle Art, damit umzugehen. Schließlich prägt der Erfolg auch die Persönlichkeit. Alle drei sind eben auch Profis, die ihre Stimme genau kennen und auch exakt wirkungsvoll einsetzen können. Bei Marc hat mich besonders beeindruckt, wie selbstverständlich er seine Stimme benutzt, und wie genau er sie kennt und kontrollieren kann. Dazu ist er ein unglaublich sympathischer Mensch... kein bisschen eingebildet, was er durchaus sein könnte. Es war ein ganz freies und geschmeidiges Arbeiten... Ein großer Musiker!!

Marc Storace (vocals)S: In deinem „Track by Track – own words“ hast du durchblicken lassen, dass die Urfassung von "Calling" schon einige Jährchen auf dem Buckel hat und es sogar mal eine Version mit deutschen Text davon gegeben hat. Wenn ich etwas von deutschsprachigen Hardrock höre, bin ich persönlich immer äußerst neugierig, da er zu meiner heimlichen Leidenschaft gehört. Kannst du vielleicht etwas mehr zu dieser deutschen Version erzählen?

RH: Ich hatte Anfang der 90er eine Band namens TANNER. Wir hatten einen sogenannten Majordeal bei Phonogram und veröffentlichten zwei Scheiben. Wir wollten einfach amerikanische Rockmusik a la DOKKEN/ RATT mit deutschen Texten machen und haben das für unseren Geschmack auch gut hinbekommen, sonst wäre ja auch der Deal nicht zustande gekommen. Nur dann ging es – trotz einiger Fernsehauftritte und einer sehr guten Bandchemie – irgendwie nicht weiter, so dass wir uns dann Ende 94 in aller Freundschaft auflösten, bevor wir uns wegen mangelNden Erfolgs gegenseitig die Schuld in die Schuhe schieben konnten.

S: Diesmal habt ihr mit "Raise Hammer" ein Cover eines echten Hard Rock-Klassikers am Start. Warum hat es gerade diese Nummer von ICON sein müssen?

RH: ICON war immer eine meiner Lieblingsbands und ich habe eigentlich nie verstanden, warum sie nicht megagroß geworden sind und mehr so ein Geheimtipp waren. Eigentlich ist das Original nicht zu toppen, es ging uns auch mehr darum zu zeigen: „Icon ist eine "Hammer"band, Leute, hört euch mehr davon an!“

S: War diese Nummer dein Wunschtitel oder ist die Neueinspielung eine Idee von Michael Voss (CASANOVA/ ex-DEMON DRIVE), den man ja mittlerweile als Spezialist für besondere Cover-Versionen kennt?

RH: Witzigerweise hatten wir die gleiche Idee, da wir beide Fans der ersten Stunde sind. Sobald für uns feststand, dass es eine Covernummer geben sollte, war ICON an erster Stelle.

S: Gibt es auf "Face Off" einen Song, der dir persönlich besonders am Herzen liegt. Wenn ja, welcher und warum?

RH: Schwere Frage. Kann ich nicht beantworten. Jeder Song hat sein eigenes Leben und wird auch beim Komponieren und Arrangieren als eigenes kleines Werk betrachtet. Dadurch steckt in jedem Titel ein Teil Herz und es ist kaum zu werten, welcher Titel da besonders hervorstechen soll.

S: Apropos Voss: Alle BISS-Alben wurden bisher von Michael Voss produziert. Hast du schon mal daran gedacht mit einem anderen Produzenten zu arbeiten oder den Job gar selber zu übernehmen?

RH: Nein. Zum einen Ist Michael ein Superproduzent – musikalisch und soundmäßig – zum anderen ist er mein Regulator. Wenn ich musikalisch zu weit aushole oder mich zu weit vom Ziel der Platte entferne, holt er mich wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Das ist wichtig für die Durchschlagskraft einer Scheibe. Von daher besteht kein Anlass irgendwas an unserer Zusammenarbeit zu ändern. Außerdem kennen wir uns schon lange und wissen uns gegenseitig einzuschätzen, da arbeitet man einfach effektiver und entspannter.

S: Im Gegensatz zu den beiden Vorgängern, die über Point Music veröffentlicht wurden, kommt "Face Off" nun über AOR Heaven in die Läden. WieRalf "Doc" Heyne (guitars) kam es zu diesem Deal und was erhoffst du dir persönlich vom neuen Partner?

RH: Point hatte auch für den Drittling zunächst sein "go" gegeben, dies aber dann nicht eingehalten, sodass man eine neue Firma suchen musste. Es gab da auch ziemlich schnell zwei Angebote und so sind wir nun bei AOR Heaven. Ich kümmere mich normalerweise nicht um solche geschäftlichen Dinge, habe aber diesmal doch direkt den Labelchef Georg kennengelernt und war begeistert. Er ist jemand, der sich genau auskennt und nicht nur theoretisiert. Er verfügt über unglaubliches Wissen und ist sich auch nicht zu schade, mal eben von München zu uns nach Münster (800km) zu kommen zwecks persönlicher Kontaktaufnahme. Fand ich ganz bemerkenswert!!

S: Wie ist es im BISS-Lager um Konzert-Aktivitäten bestellt und wie würde eine Live-LineUp aussehen?

RH: Darüber zu sprechen ist noch zu früh. Es gibt da einfach noch nichts Konkretes. Klar würden wir gern und oft spielen, aber es muss finanzierbar sein und das wiederum hängt davon ab, wie die Fans unser neues Werk finden. Lineup ist kein Problem, Marc steht zur Verfügung und freut sich und wir sind in den Startlöchern.

S: Ralf, ich bedanke mich für dieses Interview und wünsche dir viel Erfolg mit BISS und "Face Off"

RH: Vielen Dank auch bei Dir!

1. Breathless
2. Pyromania
3. Rejected

4. D.S.O.D.
5. Raise The Hammer
6. Calling
7. Big Life
8. Fire In The Night
9. Lady Of The Night

10. Wiseman  

"Face Off" (2005/ AOR Heaven/ Soulfood)

DISKOGRAFIE:

"Biss" (2002)
"Joker In The Deck" (2003)
"Face Off" (2005)

andere Beiträge über BISS:
Reviews:
BISS/ X-tension
BISS/ Face Off (Album Of The Month/ May 2005)

Specials:

"... jetzt schlägt's dreizehn!" mit Ralf "Doc" Heyne
"own words" mit Ralf "Doc" Heyne & Marc Storace ("Face Off")

weitere Informationen unter www.b-i-s-s.com 

Sonny

Thanks to Birgitt @ Germusica

Last Update: Sunday, 05. June 2005
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