
JEDER HAT SEINEN
EIGENEN CHARAKTER
Die
unterbewertete Band um den deutschen Gitarristen Ralf "Doc"
Heyne ist wahrscheinlich eher durch ihre prominenten Sänger
aufgefallen, als durch ihre bisherigen Veröffentlichung. Für das
selbstbetitelte Debüt konnte man den ex-VICTORY-Sänger und
Egozentriker Fernando Garcia gewinnen, während der etwas stärkere
Nachfolger von ex-JADED HEART-Goldkelchen Michael Bormann eingesungen
wurde. Für das dritte Album "Face
Off", das einem wahren Meisterwerk gleichkommt, konnte
man nun keinen geringeren als KROKUS-Frontikone Mark Storace für dem
Job am Mikro begeistern. Kein Wunder, dass das aktuelle Werk von uns mit
dem "Album Of The
Month"-Federn für den Wonnemonat Mai geschmückt worden ist.
Deshalb haben wir den Gitarristen natürlich zu einem
Plauderstündchen gebeten, bei dem Herr Heyne sich sehr
auskunftsfreudig gezeigt hat. S:
Ganz zu Beginn möchte ich dir mein Kompliment zum neuen Album
aussprechen. Meines Erachtens ist "Face Off" das bisher
beste, härteste und eingängigste BISS-Album. Wie siehst du die neue
Scheibe im Vergleich zu den beiden Vorgängern? RH:
Erstmal vielen Dank für das Kompliment. Ich denke, man selbst findet
immer das aktuelle Werk am besten und ausgereiftesten, ganz einfach
weil es den letzten Stand der eigenen Entwicklung zeigt. Trotzdem darf
man nicht aus den Augen lassen, dass dies ja auch genauso für die
anderen Alben zu deren Erscheinungstermin gegolten hat. Vor dem
Hintergrund schätze ich die ersten beiden CDs nach wie vor, zumal sie
ja auch die Zusammenarbeit mit einigen Rockgrößen dokumentieren. S:
Mit BISS hast du nun schon drei Alben veröffentlicht und jedes davon
mit einem anderen Sänger. War das eine Vorgehensweise, die von
vornherein geplant war oder hat sich der ständige Wechsel am Mikrofon
einfach so ergeben?
RH:
Wie gesagt, ein härterer Sänger
kristallisierte sich als optimal heraus. Da ich Marc zufällig einige
Zeit vorher kennengelernt hatte, lag es natürlich nahe ihn zu fragen.
Er ist eh einer meiner „alltime-favourite“-Sänger, insofern war
der Schritt nicht groß. Er hörte sich die Demos an und hat sofort
begeistert zugestimmt. S:
War Marc eigentlich von Anfang als Sänger für "Face Off"
geplant oder standen noch andere Namen im Raum? RH:
Als wir uns für die etwas härtere Gangart entschieden, hatten wir
noch einige andere Namen in petto, falls Marc das Material nicht
gefallen sollte... Mike Matijevic (STEELHEART) etwa. Aber die
Alternativen kamen gar nicht erst zum Tragen, da Marc eh Priorität
Nummer 1 war. S:
In wieweit war Marc im Songwriting-Prozess zum neuen Album involviert? RH:
Zunächst gingen wir so vor wie immer- sämtliche Melodien incl.
Texten und Chören sind bereits bei Erscheinen des Sängers fertig, so
dass dieser nur noch entspannt seinen Charakter einzubringen braucht
und sich voll auf den Ausdruck konzentrieren kann, ohne noch mit der
grundsätzlichen Erarbeitung beschäftigt zu sein. Als Marc dann im
Studio war und die Arbeit schnell und effektiv voranschritt, seine
Stimme facetten- und abwechslungsreich überkam, dachten wir, es könnte
mal ein Versuch wert sein, ihn komplett allein arbeiten zu lassen. So
komponierte er eigenständig die Melodien und Texte zu 2 Songs und das
Ergebnis war so überzeugend, dass wir es komplett übernommen haben. S:
Als ich "Face Off" zum erstenmal im Schacht hatte, war ich
total platt von Marcs Gesangsstil, denn er erinnert überraschend
selten an KROKUS. Wie ist deine Meinung dazu? RH:
Es war Produktionsziel keine KROKUS-Platte zu machen. Marc sah das
genauso und so haben wir ihn soviel wie möglich "atmen"
lassen. Alle Nuancen seiner wirklich unglaublichen Stimme zu erfassen
um auch ihm die Chance zu geben, zu zeigen, was er sonst noch alles in
petto hat... und das ist eine Menge! S:
Du hattest nun schon das „Glück“ mit drei sehr namhaften Sängern
aus dem Hard Rock-Business zusammenzuarbeiten. Welche Erfahrungen hast
du sowohl musikalisch als auch zwischenmenschlich mit den einzelnen
Herrschaften gemacht? RH:
Jeder hat seinen eigenen Charakter, sonst wären sie auch niemals so
bekannt geworden. Und natürlich hat jeder seine spezielle Art, damit
umzugehen. Schließlich prägt der Erfolg auch die Persönlichkeit.
Alle drei sind eben auch Profis, die ihre Stimme genau kennen und auch
exakt wirkungsvoll einsetzen können. Bei Marc hat mich besonders
beeindruckt, wie selbstverständlich er seine Stimme benutzt, und wie
genau er sie kennt und kontrollieren kann. Dazu ist er ein unglaublich
sympathischer Mensch... kein bisschen eingebildet, was er durchaus
sein könnte. Es war ein ganz freies und geschmeidiges Arbeiten... Ein
großer Musiker!!
RH:
Ich hatte Anfang der 90er eine Band namens TANNER. Wir hatten einen
sogenannten Majordeal bei Phonogram und veröffentlichten zwei
Scheiben. Wir wollten einfach amerikanische Rockmusik a la DOKKEN/
RATT mit deutschen Texten machen und haben das für unseren Geschmack
auch gut hinbekommen, sonst wäre ja auch der Deal nicht zustande
gekommen. Nur dann ging es – trotz einiger Fernsehauftritte und
einer sehr guten Bandchemie – irgendwie nicht weiter, so dass wir
uns dann Ende 94 in aller Freundschaft auflösten, bevor wir uns wegen
mangelNden Erfolgs gegenseitig die Schuld in die Schuhe schieben
konnten. S:
Diesmal habt ihr mit "Raise Hammer" ein Cover eines echten
Hard Rock-Klassikers am Start. Warum hat es gerade diese Nummer von
ICON sein müssen? RH:
ICON war immer eine meiner Lieblingsbands und ich habe eigentlich nie
verstanden, warum sie nicht megagroß geworden sind und mehr so ein
Geheimtipp waren. Eigentlich ist das Original nicht zu toppen, es ging
uns auch mehr darum zu zeigen: „Icon ist eine "Hammer"band,
Leute, hört euch mehr davon an!“ S:
War diese Nummer dein Wunschtitel oder ist die Neueinspielung eine
Idee von Michael Voss (CASANOVA/ ex-DEMON DRIVE), den man ja
mittlerweile als Spezialist für besondere Cover-Versionen kennt? RH:
Witzigerweise hatten wir die gleiche Idee, da wir beide Fans der
ersten Stunde sind. Sobald für uns feststand, dass es eine
Covernummer geben sollte, war ICON an erster Stelle. S:
Gibt es auf "Face Off" einen Song, der dir persönlich
besonders am Herzen liegt. Wenn ja, welcher und warum? RH:
Schwere Frage. Kann ich nicht beantworten. Jeder Song hat sein eigenes
Leben und wird auch beim Komponieren und Arrangieren als eigenes
kleines Werk betrachtet. Dadurch steckt in jedem Titel ein Teil Herz
und es ist kaum zu werten, welcher Titel da besonders hervorstechen
soll. S:
Apropos Voss: Alle BISS-Alben wurden bisher von Michael Voss
produziert. Hast du schon mal daran gedacht mit einem anderen
Produzenten zu arbeiten oder den Job gar selber zu übernehmen? RH:
Nein. Zum einen Ist Michael ein Superproduzent – musikalisch und
soundmäßig – zum anderen ist er mein Regulator. Wenn ich
musikalisch zu weit aushole oder mich zu weit vom Ziel der Platte
entferne, holt er mich wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Das
ist wichtig für die Durchschlagskraft einer Scheibe. Von daher
besteht kein Anlass irgendwas an unserer Zusammenarbeit zu ändern. Außerdem
kennen wir uns schon lange und wissen uns gegenseitig einzuschätzen,
da arbeitet man einfach effektiver und entspannter. S:
Im Gegensatz zu den beiden Vorgängern, die über Point Music veröffentlicht
wurden, kommt "Face Off" nun über AOR Heaven in die
Läden. Wie RH:
Point hatte auch für den Drittling zunächst sein "go"
gegeben, dies aber dann nicht eingehalten, sodass man eine neue
Firma suchen musste. Es gab da auch ziemlich schnell zwei Angebote und
so sind wir nun bei AOR Heaven. Ich kümmere mich normalerweise nicht
um solche geschäftlichen Dinge, habe aber diesmal doch direkt
den Labelchef Georg kennengelernt und war begeistert. Er ist jemand,
der sich genau auskennt und nicht nur theoretisiert. Er verfügt über
unglaubliches Wissen und ist sich auch nicht zu schade, mal eben von München
zu uns nach Münster (800km) zu kommen zwecks persönlicher
Kontaktaufnahme. Fand ich ganz bemerkenswert!! S:
Wie ist es im BISS-Lager um Konzert-Aktivitäten bestellt und wie würde
eine Live-LineUp aussehen? RH:
Darüber zu sprechen ist noch zu früh. Es gibt da einfach noch nichts
Konkretes. Klar würden wir gern und oft spielen, aber es muss
finanzierbar sein und das wiederum hängt davon ab, wie die Fans unser
neues Werk finden. Lineup ist kein Problem, Marc steht zur Verfügung
und freut sich und wir sind in den Startlöchern. S:
Ralf, ich bedanke mich für dieses Interview und wünsche dir viel
Erfolg mit BISS und "Face Off" RH: Vielen Dank auch bei Dir!
andere Beiträge über
BISS: weitere Informationen unter www.b-i-s-s.com |
Thanks to Birgitt @ Germusica
Last
Update: Sunday, 05. June 2005
created in July 2002 © by Sonny